Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt (Oder) hat seit Montag einen eigenen Friedhof. Der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden Brandenburgs, Ghennadi Kuschnir, sagte zur feierlichen Eröffnung, es sei der erste Jüdischen Friedhof, der seit dem Holocaust in Brandenburg und seines Wissens nach auch in den neuen Bundesländern errichtet wurde.
Jüdischer Friedhof in Frankfurt (Oder) eröffnet
Frankfurt (Oder) (dapd-lbg). Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt (Oder) hat seit Montag einen eigenen Friedhof. Der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden Brandenburgs, Ghennadi Kuschnir, sagte zur feierlichen Eröffnung, es sei der erste Jüdischen Friedhof, der seit dem Holocaust in Brandenburg und seines Wissens nach auch in den neuen Bundesländern errichtet wurde. Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) sprach von einem deutlichen Zeichen dafür, dass jüdisches Leben in Brandenburg keine Randerscheinung mehr ist.
Der 1998 wieder gegründeten Jüdischen Gemeinde der Stadt gehören über 200 Menschen an, hauptsächlich Einwanderer aus der früheren Sowjetunion. Das 2.800 Quadratmeter große Areal bietet Platz für 250 Grabfelder. Die Baukosten beliefen sich auf rund 250.000 Euro. Davon stellte das Land laut Kulturministerium 156.000 Euro bereit. Gelder kamen auch vom Zentralrat der Juden in Deutschland.
Kuschnir verwies darauf, dass ein Friedhof für eine Jüdische Gemeinde noch wichtiger sei als eine Synagoge. Brandenburgs Landesrabbiner Shaul Nekrich sprach von einem der wichtigsten Ereignisse der vergangenen Jahre in Brandenburg. Er verwies darauf, dass im Hebräischen der jüdische Friedhof auch als "Haus der Lebenden" bezeichnet wird. Jede Gemeinde müsse einen Friedhof haben.
Kunst sagte, die bisherige Situation sei für die Frankfurter Juden unbefriedigend gewesen. Das Areal ihres früheren Friedhofs liege seit 1945 in der polnischen Nachbarstadt Slubice und sei nicht mehr nutzbar. Andere Jüdische Friedhöfe - wie in Potsdam und Cottbus - seien weit weg. Kommunale Friedhöfe wiederum könnten dem dauerhaften Ruherecht der jüdischen Bestatteten nicht gerecht werden.
Die Ministerin verwies darauf, dass es heute etwa 60 verwaiste Jüdische Friedhöfe in Brandenburg gibt. Es sei wichtig, dass sich insbesondere Schüler- und Jugendgruppen mit diesem Teil der Geschichte beschäftigen. So konnten zahlreiche Friedhöfe ihren Angaben zufolge wieder in Ordnung gebracht werden.
An der feierlichen Zeremonie beteiligten sich etwa 100 Menschen. Sie zogen angeführt von Landesrabbiner Nekrich sieben Runden um den Friedhof. Damit werde der Gemeinde gewünscht, dass das Areal so lange wie möglich leer bleibe, erläuterte er.
Kuschnir dankte der Stadt Frankfurt, die das Grundstück dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden im Jahr 2008 "zu besonders günstigen Konditionen" übereignet habe. Die Stadt hatte der Jüdischen Gemeinde bereits 2001 eine Villa zur Verfügung gestellt, in der Büros und ein Gebetssaal eingerichtet wurden.
dapd
