Nur geringe Zusatzinvestitionen notwendig - Landesregierung kritisiert Informationspolitik der Bahn "Stuttgart 21" hat Stresstest der Bahn bestanden

Das umstrittene Bahnhofs-Neubauprojekt "Stuttgart 21" hat den von der Schlichtung geforderten Stresstest der Deutschen Bahn bestanden. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dapd am Sonntag aus dem Umfeld der Deutschen Bahn AG. Von der Bahn gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

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"Stuttgart 21" hat Stresstest der Bahn bestanden

Berlin/Stuttgart (dapd). Das umstrittene Bahnhofs-Neubauprojekt "Stuttgart 21" hat den von der Schlichtung geforderten Stresstest der Deutschen Bahn bestanden. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dapd am Sonntag aus dem Umfeld der Deutschen Bahn AG. Von der Bahn gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Die grün-rote Landesregierung reagierte verärgert auf das vorzeitige Bekanntwerden der Ergebnisse des Stresstests, die am 14. Juli der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Regierungssprecher Rudi Hoogvliet wertete dies als "einseitige Äußerung der Bahn", mit der versucht werde, Einfluss auf die Öffentlichkeit zu nehmen. "Stuttgart 21"-Gegner meldeten massive Zweifel an den Ergebnissen an. Es stelle sich die Frage, "ob die Bahn nicht massiv trickst", sagte der Sprecher der "Parkschützer", Matthias von Herrmann.

Aus dem Umfeld der Bahn verlautete, die Simulation habe ergeben, dass der geplante unterirdische Bahnhof auch ohne kostspielige Erweiterungen in der Spitzenzeit 30 Prozent mehr leisten könne als der jetzige Kopfbahnhof. So sei der von Schlichter Heiner Geißler angeregte Ausbau des Bahnhofs um zwei Gleise nicht nötig. Nur der Flughafenanschluss müsse zweigleisig werden. Überdies solle der Bahnknoten neben der neuen Signaltechnik ETCS auch weiter die konventionelle Technik vorhalten. Beides zusammen kommt laut Bahn AG auf zusätzlich 40 Millionen Euro. Für das Gesamtprojekt werden offiziell 4,1 Milliarden Euro veranschlagt. Die Simulation muss noch von einem unabhängigen Gutachter geprüft werden.

Unter Hinweis auf die noch ausstehende Überprüfung durch die Schweizer Firma SMA lehnte ein Sprecher der Deutschen Bahn eine förmliche Bestätigung ab. Er sagte jedoch, die Bahn habe sich stets zuversichtlich geäußert, dass das neue Bahnhofskonzept die Bedingungen erfülle.

Regierungssprecher Hoogvliet kritisierte, die Bahn habe bislang angegeben, vor dem 1. Juli nichts zum Ausgang des Stresstests sagen zu können, da die Simulationen noch liefen. Dass das Ergebnis jetzt schon bekannt geworden sei, sei ein Beispiel für die unzureichende Informationspolitik der Bahn. Statt die Beteiligten zu informieren, würden die Ergebnisse an die Presse weitergereicht. Die Bahn habe es nicht geschafft, der Landesregierung die entsprechenden Unterlagen zuzuschicken. Eine Bewertung sei daher bislang nicht möglich.

"Parkschützer"-Sprecher von Herrmann betonte, die Realität deutscher Bahnhöfe widerspreche dem, was die Bahn in Stuttgart verspreche. Es wäre ein "technisches Wunder" nötig, um die Vorgaben des Stresstests zu erfüllen. Er warf der Bahn mangelnde Transparenz vor. Die "Stuttgart 21"-Gegner hätten gefordert, in den Stresstest eingebunden zu werden. Die Bahn habe jedoch weder unabhängige Gutachter zugelassen noch das Verfahren selbst transparent gestaltet. Der Konzern müsse nun sämtliche Fakten zum Stresstest auf den Tisch legen und auch die Rohdaten veröffentlichen, die zu dem Ergebnis geführt hätten. Andernfalls werde der Volkszorn weiter geschürt.

Am Samstag hatte bereits die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) berichtet, die Deutsche Bahn habe die Überprüfung ihres Großprojektes offenbar bestanden. Doch der Grünen-Politiker dementierte den Bericht umgehend: Er habe dem Autor des Artikels kein Interview gegeben, der Bericht sei Spekulation. Seinem Ministerium liege das Gutachten noch nicht vor. Dem Bericht zufolge hatte Hermann gesagt, "nach den bisher durchgesickerten Informationen" werde der Stresstest "wohl nicht scheitern".

dapd