Auf der weißen Bühne, hinter der der Lübecker Dom wie ein Bollwerk ruht, verliest der Päpstliche Delegat Kardinal Angelo Amato eine päpstliche Urkunde. Das Dokument macht aus drei katholischen Geistlichen Selige. Die erste Seligsprechung Norddeutschlands ist vollzogen. 8.000 evangelische und katholische Christen applaudieren.
Seligsprechung der Märtyrer als "historisches Ereignis" in Lübeck
Lübeck (dapd). Auf der weißen Bühne, hinter der der Lübecker Dom wie ein Bollwerk ruht, verliest der Päpstliche Delegat Kardinal Angelo Amato eine päpstliche Urkunde. Das Dokument macht aus drei katholischen Geistlichen Selige. Die erste Seligsprechung Norddeutschlands ist vollzogen. 8.000 evangelische und katholische Christen applaudieren.
Vier miteinander verbundene Kerzen, jede mindestens einen Meter hoch, ziehen die Blicke auf sich. Sie sollen an die vier Lübecker Märtyrer erinnern, die am 10. November 1953 unter dem Fallbeil starben, weil sie nicht bereit waren, das Hitler-Regime zu unterstützen.
Die katholischen Kaplane Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller erhalten mit der posthumen Ehrung sogar ihren eigenen jährlichen Gedenktag. Er soll künftig laut päpstlicher Anordnung am 10. November begangen werden.
Das Gedenken gilt auch dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink, der als Protestant nicht seliggesprochen wird, aber gemeinsam mit den drei katholischen Geistlichen gegen Machtmissbrauch gekämpft hatte und mit ihnen gestorben war. Ihm ist die vierte Kerze gewidmet.
Mut und Zivilcourage gewürdigt
"Wehrkraftzersetzung, Heimtücke, Feindbegünstigung und Abhören von Feindsendern" warfen die Ankläger des Volksgerichtshofes den Geistlichen nach monatelangen Bespitzelungen vor - zu damaligen Zeiten ein sicheres Todesurteil. Gemeinsam starben die vier Geistlichen im Hof des Hamburger Gefängnisses am Holstenglacis.
Kardinal Walter Kasper hat die Abschiedsbriefe der vier Männer an ihre Familien studiert. "In ihren Abschiedsbriefen steht nichts von Angst, nichts von Panik, nichts von Depression", sagt Kasper den 8.000 Besuchern des Pontifikalamtes. "Diese Männer sagen uns, was es heißt, ein Christ zu sein: Stehen, wofür Jesus Christus steht, mit ihm leben und mit ihm sterben", sagt Kasper.
Mut und Zivilcourage machten die vier Lübecker Geistlichen zu Verbündeten über die Konfessionsgrenzen hinweg. Was damals noch niemand mit einem Begriff habe benennen können, habe sich einen Weg gebahnt: die Ökumene. Jahre dauerte es, bis die Kirchen 60 Jahre nach dem Tod ihrer Märtyrer einen gemeinsamen Weg der Ehrung und des Gedenkens fanden.
Applaus für "historisches Ereignis"
"Sag niemals drei, sag immer vier" wurde zum Schlüsselsatz der gemeinsamen Bemühungen, stets allen Vieren die gleiche Achtung zu erweisen. Der Satz stammt von einem alten Mitstreiter der Seelsorger, Adolf Ehrtmann. Für Kardinal Walter Kasper stellen die vier verbundenen Kerzen, die Nachfahren der Märtyrer während der Feier entzündeten, eine Aufforderung zu weiteren ökumenischen Bemühungen dar.
Die Gläubigen applaudieren, als Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) die erste norddeutsche Seligsprechung als ein "historisches Ereignis" für Schleswig-Holstein würdigt. Der Applaus wird lauter, als er hinzufügt: "Historisch ist diese Stunde auch, weil sie katholische und evangelische Gläubige gemeinsam begehen. So eine ökumenische Feier ist einmalig in ganz Deutschland".
dapd
