ADAC: Noch Spielraum nach unten - Mineralölverband sieht keinen Zusammenhang Spritpreise sinken nach Eingriff in Ölmarkt nur leicht

Die Spritpreise in Deutschland sind nach dem Eingriff der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in den Rohöl-Markt nur leicht gesunken. Super E10 war Freitagmittag rund einen Cent billiger als am Vortag, wie aus einer vorläufigen Untersuchung des ADAC hervorging. Bei Diesel waren demnach keine Veränderungen festzustellen.

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Spritpreise sinken nach Eingriff in Ölmarkt nur leicht

Berlin (dapd). Die Spritpreise in Deutschland sind nach dem Eingriff der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in den Rohöl-Markt nur leicht gesunken. Super E10 war Freitagmittag rund einen Cent billiger als am Vortag, wie aus einer vorläufigen Untersuchung des ADAC hervorging. Bei Diesel waren demnach keine Veränderungen festzustellen. Die Zahlen der Online-Datenbank clever-tanken.de bestätigten den Abwärtstrend.

Die IEA, eine Organisation von 28 Industriestaaten, darunter Deutschland, hatte am Donnerstag überraschend bekanntgegeben, ihre strategische Reserve anzuzapfen. Die Mitgliedsstaaten würden 60 Millionen Fass Rohöl auf den Markt werfen, um den Preis zu senken. Der Rohölpreis brach daraufhin um 4,39 Dollar auf 91,02 Dollar je Fass ein.

Am Freitag stieg der Referenzölpreis für den August-Vertrag an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex um 20 Cent auf 91,22 Dollar. Der Preis für die Nordseesorte Brent sank an der Londoner Börse ICE Futures um 53 Cent auf 106,73 Dollar je 159-Liter-Fass.

ADAC stellt große Preisunterschiede fest

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sieht in den sinkenden Spritpreisen allerdings keine kurzfristige Folge des gesunkenen Ölpreises. Dafür sei der zeitliche Abstand zu kurz, sagte MWV-Sprecherin Karin Retzlaff der Nachrichtenagentur dapd. Der IEA sei es vor allem um die Signalwirkungen gegangen, die der Eingriff in den Markt habe. Der hohe Ölpreis der vergangenen Monate sei keine Folge eines mangelnden Angebots. "Es ist genügend Öl da, es gibt keine Engpässe", sagte Retzlaff. Der MWV vertritt unter anderem die größten in Deutschland vertretenen Mineralölkonzerne.

ADAC-Sprecher Andreas Hölzel sagte, es sei schwer zu sagen, ob der Eingriff der IAE den Ölpreis längerfristig senken werde. Eines sei aber klar: "Wenn Öl sinkt, muss auch Benzin sinken." Am Freitag habe es große Preisunterschiede an den Tankstellen gegeben. An manchen Markentankstellen etwa habe ein Liter Diesel 1,31 Euro gekostet, während der Durchschnitt bei knapp 1,42 Euro gelegen habe. Am Samstag seien Preissenkungen wahrscheinlich. Für Autofahrer hatte er einen altbekannten Tipp: "Wenn man was Günstiges sieht, sollte man nachtanken."

Experten halten Intervention für PR-Aktion

Experten reagierten überrascht auf die strategische Maßnahme der Staaten. Schließlich sei der Ölpreis seit seinem Hoch von 115 Dollar je Fass am 2. Mai schon wieder gefallen. "Die Ankündigung der IEA scheint nicht mehr zu sein als eine zeitlich gut gewählte PR-Aktion, um Spekulanten zu bestrafen", sagte Richard Soultanian von der Energieberatung NUS Consulting. Eine nachhaltige Auswirkung auf die Ölpreisentwicklung an den Märkten sei nicht zu erwarten.

dapd