Wie es um den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann und den Protest gegen "Stuttgart 21" dieser Tage bestellt war, zeigt eine Aussage des Grünen-Politikers am Mittwochabend. "Mir geht's gut", sagt Hermann vor etwa 2.500 Teilnehmern am Ende der Veranstaltung "Wir reden mit" auf dem Stuttgarter Marktplatz. "Besser als an manchen Stunden dieser Tage".
"Gewaltfreier Protest ist eure Stärke"
Stuttgart (dapd). Wie es um den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann und den Protest gegen "Stuttgart 21" dieser Tage bestellt war, zeigt eine Aussage des Grünen-Politikers am Mittwochabend. "Mir geht's gut", sagt Hermann vor etwa 2.500 Teilnehmern am Ende der Veranstaltung "Wir reden mit" auf dem Stuttgarter Marktplatz. "Besser als an manchen Stunden dieser Tage".
Am Montag eskalierte der Konflikt um den geplanten Tiefbahnhof "Stuttgart 21" erneut, neun Polizisten wurden dabei nach offiziellen Angaben verletzt. Gegner und Befürworter schoben sich danach gegenseitig die Schuld zu. Und auch der Bahnhofsgegner Hermann geriet in die Schusslinie.
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hatte gesagt, es sei "ein Skandal, wenn ein Minister mit dem Argument, Gewalt schade dem Protest, versucht, Demonstranten zu beruhigen". Es sei nicht hinnehmbar, dass Hermann seinen Aufruf zum Gewaltverzicht rein taktisch begründe. Und auch am Mittwochabend, als sich Hermann den Fragen der Bürger stellt, trägt ein "Stuttgart 21"-Befürworter ein Schild vor die Rathaustreppen, auf denen Hermann spricht: "Winfried Hetzmann der Eskalationsminister" steht da drauf.
Projektgegner und -befürworter stehen friedlich nebeneinander
Immerhin: Projektgegner und -befürworter stehen friedlich nebeneinander. Das ist auch das, was Organisator Gangolf Stocker will. "Eine Diskussionskultur für Stuttgart entwickeln", erhofft er sich von der Veranstaltungsreihe. Und auch Hermann lobt, dass die Bürger für "Stuttgart 21" Fragen stellen. "Das brauchen wir."
Unter den Menschen auf dem Stuttgarter Marktplatz hat Hermann aber deutlich mehr Sympathisanten. "Versucht dafür zu sorgen, dass der Protest gewaltfrei bleibt", ruft er Ihnen zu. "Das ist eure Stärke". Den Projektgegnern, die Gewalt vonseiten der Demonstranten bestreiten, hielt er entgegen: "Das zu bestreiten ist keine gute Strategie."
Auch SWR-Moderator Jo Frühwirth sagt zu den Demonstranten: "Der Protest war in Deutschland bekannt, weil er friedfertig war." "Viel zu lange", antwortet eine Frau aus der Menge. Der Zorn der Demonstranten trifft an diesem Abend eher die Medien. Sie berichteten einseitig, wird ihnen vorgeworfen. Als Hermann sagt, auch er verlasse sich auf Medienberichte über die Vorfälle, erntet er höhnisches Gelächter.
Hermann ist der Minister in der neuen grün-roten Regierung, der vielleicht den schwersten Stand hat. Als Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag war er einer der prominentesten Gegner von "Stuttgart 21". Jetzt ist er in der Regierungsverantwortung und die Erwartungen an ihn sind hoch.
Hermann: Wir arbeiten in einem Spannungsfeld
Aber die Grünen sind da nicht alleine und so sagt Hermann, er arbeite in einem Spannungsfeld. "Ich habe auch den Eindruck, die Bahn meint, sie muss jetzt schnell machen, bevor ich und der Rest der Regierung so richtig im Sattel sitzt."
Der Verkehrsminister erhebt zahlreiche Forderungen an diesem Abend: Er will auch einen Stresstest für den alten Kopfbahnhof. Die Informationen zum Stresstest für den neuen unterirdischen Bahnhof müsse die Bahn frühzeitig herausrücken, sagt er. Am 14. Juli soll er öffentlich vorgestellt werden. Hermann sagte, es sei ein "Ärgernis", dass die Bahn ihre Ergebnisse erst drei Tage vor dem Termin mitteilen und einen Tag später mit der Vergabe beginnen wolle. "So haben wir nicht wirklich Zeit, zu prüfen und zu diskutieren."
Hermann zeigt mit solchen Worten, dass er kämpft. Noch wird es ihm positiv angerechnet. "Ich vertraue Ihnen und bin den Grünen nicht auf den Leim gegangen", sagt einer der Fragesteller aufmunternd in Richtung Minister.
dapd
