Neue Spekulationen über künftigen Berliner Oberhirten - Ernennung vor Papstbesuch gilt als sicher Berliner Bischofsraten

Die Zeit wird langsam knapp: Um den Wunsch des Erzbistums Berlin zu erfüllen, bis zum Papstbesuch im September einen neuen Oberhirten zu haben, muss der Nachfolger des zurückgetretenen Kardinals Georg Sterzinsky binnen weniger Wochen benannt werden.

Foto: dapd

Berliner Bischofsraten

Berlin/Regensburg (dapd-bay). Die Zeit wird langsam knapp: Um den Wunsch des Erzbistums Berlin zu erfüllen, bis zum Papstbesuch im September einen neuen Oberhirten zu haben, muss der Nachfolger des zurückgetretenen Kardinals Georg Sterzinsky binnen weniger Wochen benannt werden.

An Namen, die in den Medien gehandelt werden, mangelt es nicht. Mit dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ist nun ein weiterer hinzugekommen. Laut "Frankfurter Rundschau" soll der 63-Jährige sogar ein "heißer Anwärter" sein.

Das Erzbistum Berlin gibt sich erwartungsgemäß bedeckt. "Wir kommentieren solche Berichte nicht", sagt Bistumssprecher Stefan Förner. Es ist Usus in der Kirche, sich an Personalspekulationen nicht zu beteiligen. Die Bekanntgabe des Namens eines neuen Bischofs folgt stets demselben Muster: Die Ernennung wird zeitgleich im Vatikan und im jeweiligen Bistum verkündet.

Papst Benedikt XVI. hatte im Februar das Rücktrittsgesuch des schwer kranken Sterzinsky angenommen. Schon seit Monaten werden diverse deutsche Bischöfe als mögliche Nachfolger gehandelt. Die "Frankfurter Rundschau" will nun erfahren haben, dass es im Vatikan Bestrebungen gebe, den Weg für Müller freizumachen. Der Regensburger Bischof habe sich vergangene Woche aus nicht näher genannten Gründen in Rom aufgehalten.

Zuvor hatte es das Berliner Domkapitel dem Bericht zufolge in mehreren Anläufen nicht geschafft, sich mit absoluter Mehrheit auf einen Kandidaten zu verständigen. Weder der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich noch die Bischöfe Franz-Josef Overbeck (Essen) und Ludwig Schick (Bamberg) hätten die erforderlichen Stimmen erhalten.

Der Regensburger Bistumssprecher Clemens Neck reagiert mit einem Scherz auf die neuen Spekulationen: Er könne sicher sagen, wann Müller nach Berlin gehe. "Das ist am 22. September, dann ist auch der Papst da." Denn das Bistum Regensburg organisiert eine große Pilgerfahrt zum Papstbesuch nach Berlin.

Die Entscheidung über den Erzbischof aber träfen das Domkapitel in Berlin und der Vatikan, stellt der Sprecher klar. Die Diözese Regensburg werde dabei nicht mit einbezogen. Aus einem Rom-Besuch Müllers lässt sich laut Neck jedenfalls nichts ableiten: "Der Bischof ist als Mitglied der Glaubenskongregation regelmäßig in Rom, das gehört zu seinen Aufgaben."

Überhaupt werden Personalspekulationen im Bistum Regensburg langsam zur Routine. Mehrfach hatten Medien in den vergangenen Jahren beispielsweise berichtet, Müller stehe unmittelbar vor einem Wechsel in den Vatikan. Auch als 2007 ein Nachfolger für den Münchner Kardinal Friedrich Wetter gesucht wurde, fiel Müllers Name. In der Politik regte sich dagegen seinerzeit Widerstand, was Müller verärgert als "Einmischung" in kirchliche Belange kritisierte.

Obwohl Benedikt XVI. den Regensburger Bischof sehr schätzt und ihn mit der Herausgabe seiner Gesammelten Schriften beauftragt hat, wäre eine Ernennung Müllers zum Berliner Erzbischof eine Überraschung - und auch ein Risiko. Müller ist zwar ein angesehener Theologe, zählt aber auch zu den Lieblingsgegnern liberaler Gruppen in der Kirche. Seine Ernennung würde einen Wirbel auslösen, an dem kurz vor dem Papstbesuch dem Vatikan eigentlich gelegen sein kann.

Benedikt XVI. wird am 22. September in Berlin seinen viertägigen Deutschlandbesuch beginnen. Gleich am ersten Tag soll er im Bundestag sprechen und im Olympiastadion einen großen Gottesdienst feiern. Dass der neue Berliner Erzbischof bis dahin ernannt sein wird, gilt in Kirchenkreisen als "sicher". Über den Namen aber kann vorerst nur weiter spekuliert werden.

dapd