Der Versicherungskonzern Ergo sorgt schon wieder für negative Schlagzeilen. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) zufolge haben Vertreter der Ergo-Versicherungsgruppe Kunden wissentlich zu ihrem Nachteil beraten.
Neue Vorwürfe gegen Ergo-Versicherung
Berlin (dapd). Der Versicherungskonzern Ergo sorgt schon wieder für negative Schlagzeilen. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) zufolge haben Vertreter der Ergo-Versicherungsgruppe Kunden wissentlich zu ihrem Nachteil beraten. Zudem hat das Unternehmen nach Informationen des "Handelsblatt" (Montagausgabe) bereits seit über fünf Jahren vom Betrug bei Riester-Verträgen gewusst, der letzte Woche öffentlich geworden war. Mitte Mai hatten Berichte über eine Sex-Party für Berater für Unverständnis gesorgt.
Die neuen Vorwürfen richten sich gegen Vertreter der einstigen Ergo-Tochter Victoria. Laut "Financial Times Deutschland" haben sie vor zwei Jahren systematisch und "auf Anweisung von oben" Kunden mit beitragsfrei gestellten Lebensversicherungen geraten, ihre Verträge zu kündigen. Zwischen 2.000 und 4.000 Policen seien gekündigt worden. Das ausbezahlte Geld hätten die Kunden dann in spezielle Unfallversicherungen stecken sollen.
Dabei sei ihnen häufig verschwiegen worden, dass sie mit der Lebensversicherung in vielen Fällen auch Steuervorteile sowie eine Zinsgarantie von bis zu vier Prozent aufgegeben hätten. Lars Gaschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband sagte der Zeitung, dies sei ein "unglaublicher Vorgang, bei dem es nur um Abschlussprovisionen ging". Ergo bestreitet dem Blatt zufolge, dass es sich um eine systematische Aktion gehandelt habe.
Erst zehn Tage zuvor war bekannt geworden, dass Ergo-Vertreter im Jahr 2005 Riester-Verträge unter Vorspiegelung falscher Kosten angeboten hatten. Das Unternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, dass 14.000 Riester-Kunden von den falschen Anträgen betroffen seien. Wenige Tage davor hatte die Versicherungsgruppe noch schriftlich erklärt, dass es nur wenige Betroffene gebe.
Dabei waren die fehlerhaften Verträge laut "Handelsblatt" keine Neuigkeit für das Unternehmen. "Wir haben ermittelt, dass der Fehler im Oktober 2005 der Antragsabteilung bekannt wurde", sagte Ergo-Sprecher Alexander Becker der Zeitung. Der Aufsichtsrat habe nun davon zum ersten Mal erfahren. Strafrechtlich betrachtet bewege sich Ergo nun im Bereich des vorsätzlich fortgesetzten Betruges, sagte der ehemalige Mainzer Staatsanwalt Volker Hoffmann der Zeitung.
dapd
