Wegen Verdachts der Bestechlichkeit bei angeblichen Hilfslieferungen nach Nordkorea Ermittlungen gegen Sanofi-Aventis

Wegen Verdachts der Bestechlichkeit bei angeblichen Hilfslieferungen nach Nordkorea ermittelt die Staatsanwaltschaft Verden gegen vier Mitarbeiter des Arzneimittelkonzerns Sanofi-Aventis und gegen einen Pharmaexperten in Münster. Dies bestätigte Behördensprecher Marcus Röske am Montag auf Anfrage

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Ermittlungen gegen Sanofi-Aventis

Verden (dapd). Wegen Verdachts der Bestechlichkeit bei angeblichen Hilfslieferungen nach Nordkorea ermittelt die Staatsanwaltschaft Verden gegen vier Mitarbeiter des Arzneimittelkonzerns Sanofi-Aventis und gegen einen Pharmaexperten in Münster. Dies bestätigte Behördensprecher Marcus Röske am Montag auf Anfrage. Der Betrugsverdacht gegen einen an dem Geschäft beteiligten Großhändler ist dagegen inzwischen ausgeräumt, wie die Staatsanwaltschaft Stade ebenfalls auf Anfrage mitteilte.

Es geht um ein Geschäft zwischen Sanofi-Aventis und dem Großhändler Multi-Trade-International (MTI), das möglicherweise auch zulasten der Krankenkassen ging: MTI nahm nach eigenen Angaben von Sanofi zwischen 2004 und 2010 große Mengen Medikamente zu Rabattpreisen ab. Nach Aussagen von MTI hatten die Pillen und Salben nur noch geringe Haltbarkeit und wurden deshalb vom Hersteller verbilligt abgegeben. Über einen Großhändler gingen sie demnach an deutsche Apotheken und wurden dort regulär verkauft. Sanofi-Aventis erklärt jedoch, die verbilligten Mittel seien für Hilfslieferungen nach Nordkorea gedacht gewesen und MTI habe sie in betrügerischer Weise abgezweigt.

Ein solcher Betrugsverdacht habe sich aber nicht bestätigt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Burkhard Vonnahme. Es sei beabsichtigt, das Ermittlungsverfahren gegen MTI einzustellen. Ermittelt wird dagegen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Verden gegen vier Sanofi-Mitarbeiter sowie gegen einen 71-jährigen Pharmaexperten, der das Geschäft vermittelt hatte. MTI bezahlte den Mann nach eigenen Angaben, doch soll er gleichzeitig Schmiergelder von Sanofi-Aventis bekommen haben.

Der Mann war nach Angaben von Sanofi-Aventis als Vertreter der Hilfsorganisation "Viva Westfalen hilft e.V." aufgetreten, die die Hilfslieferungen nach Nordkorea abwickeln sollte. Sanofi-Aventis-Sprecherin Judith Kramer hatte am Sonntag bestätigt, dass ihr Konzern mit ihm einen "Provisionsvertrag" abgeschlossen habe. Warum der angebliche humanitäre Helfer, der verbilligte Medikamente in arme Länder liefern sollte, von dem Pharmakonzern bezahlt wurde, konnte Kramer zunächst nicht erklären.

dapd