Griechenland in Not Staatspleite könnte "ansteckend" sein

Die griechische Schuldenkrise wird zunehmend zu einer Bedrohung für die Weltwirtschaft. Nach dem IWF warnt nun auch Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker vor einer Ansteckungsgefahr auf andere Staaten. Aber auch der Vorschlag zur Beteiligung privater Gläubiger sorgt weiter für Streit.

Laut Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker könnte die Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Finanzhilfen für Griechenland extreme Folgen für andere Staaten in der Währungsgemeinschaft haben. Foto: dapd

Staatspleite könnte "ansteckend" sein

Vor der Sitzung der Eurogruppe über weitere Hilfen für Griechenland geht der Streit um eine Beteiligung der privaten Gläubiger weiter. Wie der Spiegel am Sonntag berichtete, will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die widerstrebende Europäische Zentralbank (EZB) angeblich mit einem Kompromissvorschlag gewogen stimmen. Ein Sprecher des Finanzministeriums wies dies allerdings zurück.

Von der Eurogruppe, die in Luxemburg tagt, wird die Freigabe der nächsten Tranche von Notkrediten erwartet, die Athen spätestens Anfang Juli braucht. Zudem ist eine Grundsatzeinigung über ein zweites Rettungspaket für Athen notwendig. Ohne diese kann der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Anteil an den Notkrediten nicht überweisen.

Möglich ist die Grundsatzeinigung, da Deutschland seine Forderung nach einer weitgehenden Gläubigerbeteiligung an der neuen Hilfe fallen gelassen hat. Banken und Investitionsfonds sollen nur noch vollständig freiwillig mitmachen. Dies hat in Deutschland zu Irritationen geführt, da eine Beteiligung privater Gläubiger ursprünglich als zwingend erachtet worden war.

Krise bedroht Weltwirtschaft

Nach einer Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sieht auch Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker eine Ansteckungsgefahr. Juncker warnte davor, dass die Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Finanzhilfen für Griechenland dazu führen könnte, dass die Ratingagenturen das Land als "zahlungsunfähig" einstuften. Das könnte extreme Folgen für andere Staaten in der Währungsgemeinschaft haben - darunter Belgien und Italien. "Die Pleite kann Portugal anstecken und Irland und dann wegen der hohen Schulden auch Belgien und Italien, noch vor Spanien", sagte Juncker der Süddeutschen Zeitung. Die griechische Schuldenkrise könnte demnach zunehmend zu einer Bedrohung für die Weltwirtschaft werden.

Der IWF erklärte in seiner am Freitag in Washington vorgestellten Finanzprognose, die Krise Griechenlands stelle über Europa hinaus eine Gefahr für die Weltwirtschaft dar. Investoren seien zunehmend darüber in Sorge, dass die griechische Regierung die notwendigen Maßnahmen zur Abwendung eines Staatsbankrotts nicht durchsetzen könne. Gleichzeitig forderte der IWF private Gläubiger zum ersten Mal öffentlich auf, dem schuldengeplagten Griechenland und anderen Ländern der Euro-Peripherie finanziell zu helfen. Ein Ausbleiben der Hilfe könnte zu Staatspleiten und zu einer Entgleisung der weltweiten Wirtschaftserholung führen.

Ökonomen kritisieren Regierungen

Derweil haben Wirtschaftsexperten die europäischen Regierungen für ihren Umgang mit der Euro-Krise scharf kritisiert. "Die Euro-Krise zeigt immer mehr das Versagen der Politik", sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger der "Welt am Sonntag". Er beklagte sich vor allem über den öffentlichen Streit zwischen den Beteiligten sowie über die Warnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer Gläubigerbeteiligung. "Wenn alle Kämpfe öffentlich ausgetragen werden und die EZB mit Untergangsszenarien droht, braucht sich niemand zu wundern, wenn die Märkte aufgescheucht sind", sagte Bofinger.

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (ifw), Dennis Snower, warnte, die griechische Krise habe erhebliche Bedeutung für die europäische Konjunktur. Er beklagte ein "völlig unnötiges Politikversagen".

Deutsche bei Griechenland gespalten

Wim Kösters, Europa-Experte beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), rügte: "Der Europäische Rat führt gegenwärtig nicht, er reagiert nur auf die Märkte und verschärft dadurch die Probleme, anstatt sie zu lösen."

Die Mitgliedschaft Griechenlands in der Euro-Zone spaltet die Deutschen. Etwa die Hälfte der Deutschen befürwortet einen Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung, die andere Hälfte lehnt dies ab, wie eine am Sonntag veröffentlichte Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Focus" ergab. 46 Prozent der Befragten würden es demnach begrüßen, wenn Griechenland zu seiner früheren Währung, der Drachme, zurückkehren würde, 47 Prozent wären dagegen. Sieben Prozent der Umfrageteilnehmer machten keine Angabe. Das Meinungsforschungsinstitut befragte 1.006 repräsentativ ausgewählte Personen.

dapd