Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hat am Sonntag in Kiel den Weltwirtschaftlichen Preis 2011 entgegengenommen.
EZB-Chef Trichet mit Weltwirtschaftlichen Preis 2011 ausgezeichnet
Kiel (dapd). Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hat am Sonntag in Kiel den Weltwirtschaftlichen Preis 2011 entgegengenommen. Ebenso geehrt wurden in diesem Jahr Lawrence Summers, der Präsident Emeritus der Harvard University und Ex-Wirtschaftsberater von US-Präsident Obama, sowie der Chairman der First Eastern Investment Group in Hongkong, Victor L.L. Chu, wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Sonntag mitteilte.
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman, der den Preis ursprünglich ebenfalls 2011 erhalten sollte, konnte aus familiären Gründen nicht anreisen und soll nun im kommenden Jahr prämiert werden. Damit stehe der erste Preisträger für 2012 schon fest, sagte ein Sprecher der Stadt Kiel auf dapd-Anfrage.
Als Vordenker einer weltoffenen und marktwirtschaftlichen Gesellschaft würdigte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) die diesjährigen Träger des Preises. Sie zeichne aus, "dass sie einen kreativen Zugang zu ökonomischen Fragestellungen suchen. Wir leben in einer komplexer werdenden Welt, die auf diese kreativen Denker nicht verzichten kann", sagte Carstensen laut dem vorab verbreiteten Redetext.
"Der Krisenmanger schlechthin"
Trichet sei "der Krisenmanger schlechthin" und habe ungeachtet aller Kritik daran gearbeitet, "die europäische Gemeinschaftswährung zu schützen und die Finanzmärkte zu beruhigen", sagte IfW-Chef Dennis Snower in seiner Laudatio.
Trichet betonte auf dem Festakt im Kieler Rathaus, dass "Preisstabilität das primäre Mandat der EZB" sei. Diese Forderung sei bei den 331 Millionen Menschen im Euroraum tief verwurzelt, sagte der 68 Jahre alte Franzose. "Preisstabilität schützt gerade diejenigen Bürger, die am verletzlichsten sind", sagte der EZB-Chef weiter und hob die Unabhängigkeit der Bank hervor.
Der oberste Währungshüter appellierte an die Politik, das Vermächtnis der Väter der Europäischen Union und des Euroraums zu wahren. "Wir sind die Kinder von Helmut Schmidt, von Valéry Giscard d'Estaing und von Helmut Kohl", sagte Trichet. Das Wachstum im Euroraum sei zufriedenstellend, die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze seit 1999 mit 14 Millionen deutlich höher als in den USA.
"Mutige und kühne Veränderungen nötig"
Trotz dieser Erfolge muss laut Trichet nun eine Richtungsanalyse zum Abbau von strukturellen Hindernissen vorgenommen werden. Dabei seien auch "mutige und kühne Veränderungen nötig", sagte Trichet mit Blick auf das EU-Vertragswerk.
Die Auszeichnung, die während der Kieler Woche verliehen wurde, wird seit 2005 vom IfW gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein und der Stadt Kiel vergeben. Gewürdigt werden mit dem Preis Ökonomen, Politiker und Unternehmer, die sich als Vordenker einer weltoffenen, marktwirtschaftlichen Gesellschaft verdient gemacht haben.
Preisträger 2010 waren der Generaldirektor der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman sowie die Unternehmerin Liz Mohn.
dapd
