Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat am Freitag überraschend die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht. Vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge auf die Bundeswehr im Norden des Landes wollte sich der Minister ein "ungeschminktes Bild" der Lage machen, wie sein Ministerium in Berlin mitteilte. Anders als seine Amtsvorgänger flog der CDU-Politiker ohne Begleitung und ohne Presse.
De Maizière auf Blitzbesuch in Afghanistan
Kundus/Berlin (dapd). Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat am Freitag überraschend die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht. Vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge auf die Bundeswehr im Norden des Landes wollte sich der Minister ein "ungeschminktes Bild" der Lage machen, wie sein Ministerium in Berlin mitteilte. Anders als seine Amtsvorgänger flog der CDU-Politiker ohne Begleitung und ohne Presse. Es war der zweite Truppenbesuch de Maizières am Hindukusch.
In den vergangenen Wochen ist deutlich geworden, dass die Taliban ihre Taktik gegenüber den ausländischen Truppen geändert haben. Statt auf direkte Gefechte setzen sie nunmehr auf Hinterhalte wie am 2. Juni, als ein Schützenpanzer Marder mit 200 Kilogramm Sprengstoff in die Luft gesprengt wurde. Kurz zuvor war bei einem Selbstmordanschlag am 28. Mai in im Gouverneurspalast von Talokan ein deutscher General nur knapp mit dem Leben davongekommen.
"Ich bin heute hierhergekommen, ohne Begleitung, ohne Presse, um ein ungeschminktes Bild von der Lage zu erhalten", sagte de Maizière bei seinem Besuch im Feldlager von Masar-i-Scharif. Der Verteidigungsminister gedachte dort zunächst in einem Ehrenhain der Gefallenen. Bislang sind 52 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.
Für die anschließenden persönlichen Gespräche nahm sich de Maizière laut Ministerium "viel Zeit". Der Minister habe auch über die Bundeswehrreform informiert und zahlreiche Fragen beantwortet. "Wichtig bei der Neuausrichtung der Bundeswehr ist, dass wir Mentalitäten und Denkweisen positiv ändern", sagte der Minister demnach. Er habe die Soldaten gebeten, "bei der Neuausrichtung aktiv mitzumachen", und zwar nicht, "weil sie müssen, sondern weil sie wollen".
Am Nachmittag besuchte der Minister das Feldlager Kundus, dessen Soldaten in der Vergangenheit im Mittelpunkt der Taliban-Angriffe standen. Sein besonderes Augenmerk lag dabei laut Ministerium bei den Informationen durch die sogenannte Task Force 47. Zu den Aufgaben der Task Force gehört die gezielte Festnahme der Führer der Taliban. Deutschland beteiligt sich seit Oktober 2007 mit den Elitesoldaten an der Terroristenjagd am Hindukusch.
Das Kommando war erst im Zusammenhang mit den Ermittlungen nach dem von Oberst Georg Klein angeordneten Luftschlag von Kundus am 4. September 2009 bekannt geworden. Die Soldaten rekrutieren sich dabei aus dem geheim operierenden Kommando Spezialkräfte (KSK). Offiziell gibt das Verteidigungsministerium keine Auskünfte zu KSK-Einsätzen.
Am Abend flog de Maizière nach Deutschland zurück. Vor seinem Truppenbesuch hatte der Minister die bei den jüngsten Anschlägen in Afghanistan verwundeten Soldaten im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz besucht.
dapd
