Die deutsch-polnischen Beziehungen haben sich nach Einschätzung des Osteuropa-Experten Markus Meckel in den zurückliegenden Jahren hervorragend entwickelt.
Meckel bescheinigt deutsch-polnischen Beziehungen gute Entwicklung
Berlin/Warschau (dapd). Die deutsch-polnischen Beziehungen haben sich nach Einschätzung des Osteuropa-Experten Markus Meckel in den zurückliegenden Jahren hervorragend entwickelt.
Der vor 20 Jahren geschlossene deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag sowie der zuvor ausgehandelte Grenzvertrag hätten eine "wichtige Grundlage" für diese erfolgreiche Entwicklung gelegt, sagte der frühere, langjährige Vorsitzende der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag der Nachrichtenagentur dapd. Meckel nannte die bilaterale Entwicklung "erstaunlich".
Zudem sei Polen heute ein "gewichtiger Partner" in der Europäischen Union der 27 Mitgliedstaaten sowie ein wirtschaftlich stabiler Staat. Die neue Staatsführung mit Präsident Bronislaw Komorowski und Ministerpräsident Donald Tusk verfolge eine "freundliche, sachbezogene Zusammenarbeit" in der EU. Dies sei der Erkenntnis geschuldet, dass eigene Interessen "besser miteinander als gegeneinander" durchzusetzen seien, sagte Meckel in Anspielung auf den früheren Präsidenten Lech Kaczynski, dessen national orientierte Positionen in der EU vielfach auf Unverständnis gestoßen waren. Komorowski hält am Freitag auf Einladung von Bundespräsident Christian Wulff die "Berliner Rede".
Polen spiele inzwischen in der EU eine bedeutende Moderatorenrolle. Die polnischen Repräsentanten hätten verstanden, dass es nichts bringe, sich selbst in den Vordergrund zu spielen, sondern nach Partnern gesucht werden müsse. Er erwarte daher von Polen "eine starke Präsidentschaft", wobei vermutlich die Finanzprobleme Griechenlands weiterhin im Vordergrund stünden.
Zudem erhoffe er sich neue Impulse für eine "östliche Partnerschaft", sagte Meckel mit Blick auf jene Staaten Osteuropas, die nicht Mitglied in der EU sind. Der europäische Osten dürfe nicht vergessen werden, man dürfe insbesondere Weißrussland (Belarus) "nicht links liegen lassen", mahnte Meckel, der 1990 für einige Monate Außenminister der DDR in der Regierung von Lothar de Maizière (CDU) war.
Die nach wie vor großen Imageprobleme Polens im Westen führte Meckel unter anderem auf die "deutsche Provinzialität" zurück. Die erstaunlichen Veränderungen in Polen würden im Westen oft gar nicht wahrgenommen. "Unser Problem ist, wir sehen nach Westen und kehren Polen den Rücken zu." Dabei sei Polen inzwischen auch wirtschaftlich ein interessantes Land. So habe Polen unter den europäischen Staaten die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise mit am besten überstanden. Meckel betonte in Anspielung auf die wachstumsstarken, sogenannten Tigerstaaten in Asien: "Polen gehört zu den europäischen Tigern."
dapd
