Fußball-Weltmeisterschaften sind für die deutschen Bierbrauer eigentlich immer so etwas wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Alle vier Jahre kurbelt das Sportereignis den sonst sinkenden Bierkonsum kräftig an und beschert den Brauereien einen warmen Geldregen. Doch ob das auch bei der am 26. Juni beginnenden Frauen-Fußball-WM klappt, darüber herrscht in der Branche Unsicherheit.
"Wir hoffen natürlich auf ein zweites kleines Sommermärchen"
Düsseldorf (dapd). Fußball-Weltmeisterschaften sind für die deutschen Bierbrauer eigentlich immer so etwas wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Alle vier Jahre kurbelt das Sportereignis den sonst sinkenden Bierkonsum kräftig an und beschert den Brauereien einen warmen Geldregen. Doch ob das auch bei der am 26. Juni beginnenden Frauen-Fußball-WM klappt, darüber herrscht in der Branche Unsicherheit.
"Wir hoffen natürlich auf ein zweites kleines Sommermärchen", sagt Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund. Doch sei die Frauen-Fußball-WM in Deutschland als Sport-Event Neuland auch für die Brauer. Es sei ungewiss, wie sehr die Männer als Hauptkonsumenten des Gerstensaftes mitzögen.
Demonstrativ optimistisch zeigt sich Deutschlands größte Brauereigruppe Radeberger (Jever, Hansa, Schöfferhofer). "Die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft kann positive Effekte auf den Absatz im deutschen Biermarkt haben - und davon würde dann natürlich auch die Radeberger Gruppe profitieren", sagt Unternehmenssprecherin Birte Kleppien. Wie sehr ein solches Großereignis den Bierkonsum steigern könne, habe sich ja bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 gezeigt.
Das war das letzte Traumjahr für die deutschen Brauer. Während der Bierkonsum in der Regel Jahr für Jahr um ein bis zwei Prozent sinkt, stieg er 2006 beflügelt vom deutschen Sommermärchen spürbar an. 106,8 Millionen Hektoliter Gerstensaft setzte die deutsche Brauwirtschaft damals ab, 1,4 Millionem Hektoliter mehr als im Jahr zuvor. Der Pro-Kopf-Verbrauch kletterte auch dank der vielen Public-Viewings noch einmal auf 116 Liter.
"Ein Impuls wird das auf jeden Fall"
Doch seitdem geht es wieder bergab. 2010 hofften die Brauereien vergeblich auf einen ähnlich durchschlagenden Effekt. Zwar lag im WM-Monat Juni der Absatz um 7,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Doch das reichte nicht annähernd aus, das schlechte Geschäft im übrigen Jahr auszugleichen. Insgesamt sank der Bierabsatz im vergangenen Jahr dem Brauer-Bund zufolge um knapp zwei Prozent auf gut 98 Millionen Hektoliter.
Wohl auch deshalb fallen bei vielen Brauern die Prognosen in Sachen Frauen-WM eher vorsichtig aus. Krombacher-Sprecher Franz Weihrauch sieht das Ereignis eher eine Stufe unter der Männer-WM. Schon die Stadien, in denen gespielt werde, seien ja deutlich kleiner. "Ein Impuls wird das auf jeden Fall - aber die Frage ist, wie groß."
Auch Christiane Willeke von der Warsteiner Brauerei weiß: "Bisher ist das Interesse bei Männerfußball einfach höher als bei Frauenfußball." Zwar hofft sie: "Vielleicht ist das in diesem Jahr ja mal anders. Schließlich findet die Weltmeisterschaft hier statt." Doch allzu große Erwartungen hat sie wohl nicht. Denn nüchtern fügt sie dann noch hinzu: "Viel entscheidender für uns ist insgesamt gutes Wetter."
Noch skeptischer ist der Biergigant InBev (Beck's, Franziskaner, Löwenbrau). "Wir haben keinen Zusatzabsatz für unsere Marken eingeplant", sagt Firmensprecher Oliver Bartelt. Das liege aber auch an den Marken des Unternehmens. Denn diese seien zum großen Teil nicht "fußballaffin". "Beck's tummelt sich eher im Musikbereich. Da ist die Festivalsaison wichtig. Fußball spielt keine Rolle, Frauen-Fußball noch weniger", meint der Sprecher.
Bleibt als letzte Hoffnung noch der Markt der besonders bei Frauen beliebten Biermischgetränke. Kann der Durst der Frauen bei der Fußball-WM eine mögliche Abstinenz der Männer wettmachen? Huhnholz vom Brauer-Bund schüttelt den Kopf: "Unser Hauptprodukt ist Bier." Die Biermischgetränke machen gerade einmal vier Prozent des Branchenumsatzes aus - mit zuletzt eher wieder sinkender Tendenz.
Am generellen Abwärtstrend bei Bierkonsum kann die Frauen-Fußball-WM ohnehin nichts ändern - da ist sich die Branche einig. "Das hat demografische Gründe. Fußball-WM oder gutes Wetter sind Sonderkonjunkturen, die aber den generellen Trend nicht aufhalten", urteilt Krombacher-Sprecher Weihrauch.
dapd
