Die Universität Heidelberg hat der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin ihren Doktortitel entzogen. Ihre Dissertation bestehe "in substanziellen Teilen aus Plagiaten", teilte die Universität am Mittwoch mit. Koch-Mehrin kündigte an, sie wolle die Rechtmäßigkeit der Entscheidung prüfen lassen.
Koch-Mehrin verliert Doktortitel
Heidelberg (dapd). Die Universität Heidelberg hat der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin ihren Doktortitel entzogen. Ihre Dissertation bestehe "in substanziellen Teilen aus Plagiaten", teilte die Universität am Mittwoch mit. Koch-Mehrin kündigte an, sie wolle die Rechtmäßigkeit der Entscheidung prüfen lassen.
Die Politikerin war am Dienstag vom Promotionsausschuss der Universität zu den Plagiatsvorwürfen angehört worden. Am Mittwoch informierte der Vorsitzende des Ausschusses, Dekan Manfred Berg, die 40-Jährige über die Aberkennung des Doktortitels, wie eine Sprecherin der Universität Heidelberg sagte.
Promotionsausschuss wertet 120 Stellen als Plagiate
Zur Begründung hieß es, dass auf etwa 80 Seiten der Arbeit mit dem Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: Die Lateinische Münzunion 1865 - 1927" über 120 Stellen seien, die als Plagiate bewertet worden seien, hieß es. Die Textstellen stammten aus mehr als 30 verschiedenen Publikationen, von denen Koch-Mehrin zwei Drittel nicht im Literaturverzeichnis ihrer Dissertation aufgeführt habe.
"Angesichts der Vielzahl und des systematischen Charakters der Plagiate kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Frau Koch-Mehrin in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben hat", sagte Berg.
Koch-Mehrin: Ergebnisse beruhen auf eigener Leistung
Koch-Mehrin erklärte, ihre Arbeit sei zwar "nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft". Die wissenschaftlichen Ergebnisse ihrer Arbeit beruhten jedoch auf ihrer eigenen Leistung.
Während des über zwei Monate langen Prüfungsverfahren sei ihr nie der Vorwurf der Täuschung gemacht worden, behauptete die Politikerin. Die Entscheidung der Universität Heidelberg komme auch überraschend, weil sie bisher keine Akteneinsicht gehabt habe. "Ich werde prüfen lassen, ob sie rechtswidrig ist", erklärte Koch-Mehrin.
Die Sprecherin der Universität entgegnete, dass Koch-Mehrin umgehend nach der Entscheidung Akteneinsicht gewährt worden sei. Vorher sei dies nicht möglich gewesen. Die Unterlagen umfassen auch die internen Protokolle des Promotionsausschusses. Der Vorwurf der Täuschung habe seit dem 2. Mai im Raum gestanden, als Koch-Mehrin offiziell über das Verfahren wegen eines Plagiats in Kenntnis gesetzt worden war.
Ausschuss hält Aberkennung des Doktorgrades für zwingend
"Der Promotionsausschuss ist sich darüber im Klaren, dass der Entzug des Doktortitels eine schwerwiegende Maßnahme darstellt, und hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht", erklärte Berg. Aufgrund der Prüfungsergebnisse halte der Ausschuss die Aberkennung des Doktorgrades jedoch für zwingend, hieß es.
Im Mai hatte Koch-Mehrin ihre Parteiämter als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament und damit Mitglied im FDP-Präsidium niedergelegt und war auch als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments zurückgetreten. Die 40-Jährige hatte den Schritt damit begründet, dass sie sowohl ihre Partei als auch ihre Familie schützen wolle. Europa-Abgeordnete wollte sie jedoch bleiben.
Im März war der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg wegen seiner in weiten Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit vom Amt des Verteidigungsministers zurückgetreten. Die Universität Bayreuth erkannte ihm den akademischen Titel ab.
Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) ermutigte die Universitäten, Regelverstöße konsequent zu ahnden. "Wissenschaft lebt von Redlichkeit. Wer plagiiert, schädigt nicht nur sein eigenes Ansehen, sondern auch das Ansehen der Wissenschaft insgesamt", sagte Bauer.
dapd