Knapp vier Monate nach dem Debakel bei der Bürgerschaftswahl hat die Hamburger CDU einen ersten Schritt zum Neuanfang bestritten. Auf einem Landesparteitag wählten die hanseatischen Christdemokraten am Mittwochabend Marcus Weinberg zu ihrem neuen Vorsitzenden. Von 198 abgegebenen und gültigen Stimmen votierten 133 für und 54 gegen den 44-Jährigen aus dem Kreisverband Altona.
Marcus Weinberg soll Hamburger CDU aus der Krise führen
Hamburg (dapd). Knapp vier Monate nach dem Debakel bei der Bürgerschaftswahl hat die Hamburger CDU einen ersten Schritt zum Neuanfang bestritten. Auf einem Landesparteitag wählten die hanseatischen Christdemokraten am Mittwochabend Marcus Weinberg zu ihrem neuen Vorsitzenden. Von 198 abgegebenen und gültigen Stimmen votierten 133 für und 54 gegen den 44-Jährigen aus dem Kreisverband Altona. 11 Delegierte enthielten sich der Stimme. Das entspricht einem Ergebnis von 71 Prozent. Der Bundestagsabgeordnete war Anfang des Monats als Sieger aus der ersten Mitgliederbefragung in der Geschichte der Hamburger CDU hervorgegangen. Weinberg löst Frank Schira ab.
Er nehme die Wahl an und sei hoch motiviert, sagte Weinberg. In seiner etwa 30-minütigen Bewerbungsrede hatte der 44-Jährige vor der Abstimmung den neuen Weg seiner Partei skizziert. Das schlechte Ergebnis von der Bürgerschaftswahl sei noch nicht überwunden. Die Partei werde länger brauchen, um aus diesem Tal herauszukommen. Zu einem Neuanfang gehöre eine Aufarbeitung, in der nichts verdrängt und nichts ausgeblendet werde.
Nach dem angekündigten Rückzug von Schira hatte sich der CDU-Landesausschuss Ende März erstmals für die Mitgliederbefragung ausgesprochen. Auslöser war die Niederlage der Partei bei der Bürgerschaftswahl im Februar. Dabei hatte die SPD die absolute Mehrheit erreicht und nach knapp zehn Jahren die CDU in der Hamburger Regierung abgelöst. Die vorgezogenen Bürgerschaftswahl war nötig geworden, weil das bundesweit erste schwarz-grüne Bündnis auf Landesebene im November 2010 zerbrochen war.
Tour der acht Bewerber durch die Kreisverbände
In den vergangenen Wochen waren die insgesamt acht Bewerber um den CDU-Vorsitz in Vorstellungsrunden mit ihren Ideen durch die Kreisverbände der Stadt getourt. Danach hatten die etwa 9.300 Hamburger CDU-Mitglieder bis zum 4. Juni Zeit, per Briefwahl über den neuen Landesvorstand mitzubestimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 41 Prozent. Weinberg erhielt bei der Mitgliederbefragung 1.327 von 3.663 gültigen Stimmen.
Der neue Landeschef soll die Hamburger CDU nun aus einer schweren Krise führen. In einer jüngsten Umfrage erreichte die Partei in der Hansestadt nur noch 20 Prozent. 2008 hatten die Christdemokraten mit dem damaligen Bürgermeister Ole von Beust 42,6 Prozent erreicht und waren beim Urnengang im Februar 2011 mit Beust-Nachfolger Christoph Ahlhaus auf 21,9 Prozent abgerutscht.
Christliches Menschenbild als Markenkern
Weinberg will sich für eine stärkere Mitgliederbeteiligung einsetzen. Auch müsse die Partei ein modernes Erscheinungsbild erhalten, sagte der 44-Jährige. Damit will er die Christdemokraten eigenen Angaben zufolge zu einer Alternative zum SPD-geführten Senat formen. Dabei sei das christliche Menschenbild der Markenkern der CDU. Auch wolle er, dass die Kompetenzfelder Wirtschaft, Sicherheit und Finanzen künftig wieder mit der CDU in Verbindung gebracht werden.
Weinbergs Vorgänger Schira hatte den neuen Landeschef zuvor als geeignet bezeichnet, um das verloren gegangene Vertrauen beim Wähler zurückzugewinnen. Der erfahrene Weinberg habe die Kraft und die Energie, alle Teile der Partei zusammenzuhalten, sagte Schira.
Die nächste Bürgerschaftswahl in Hamburg steht 2015 an.
dapd
