Die Europäische Zentralbank (EZB) sperrt sich nach Angaben ihres Chefvolkswirts Jürgen Stark nicht grundsätzlich gegen eine Beteiligung privaten Gläubiger an einer Rettungsaktion zugunsten Griechenlands.
EZB: Banken nur freiwillig in Griechenland-Rettung einbeziehen
Die EZB sei nicht gegen eine Einbeziehung der Banken, diese müsse aber auf freiwilliger Basis geschehen, sagte Stark im Deutschlandfunk. Einen Zahlungsausfall, auch einen teilweisen, gelte es dabei in jedem Fall zu vermeiden.
Athen werde weiteres Geld nur erhalten, wenn es die vereinbarten Sparanstrengungen umsetze, sagte das EZB-Direktoriumsmitglied. "Griechenland muss die Bedingungen für die nächste Tranche erfüllen." Für neue Finanzhilfen bestehe zudem "zusätzlicher Handlungsbedarf auf griechischer Seite".
Die gemeinsame Währung sieht Stark durch die Schuldenkrise in Griechenland und in anderen Euro-Ländern nicht in Gefahr. Die Volkswirtschaften Griechenlands, Irlands und Portugals, die alle europäische Hilfskredite erhalten haben, hätten nur einen geringen Anteil an der Wirtschaftsleistung des gemeinsamen Währungsraums.
"Rettungspakete keine Lösung"
Der frühere belgische Ministerpräsident und heutige Chef der Liberalen im EU-Parlament, Guy Verhofstadt, hat die geplanten neuen Milliardenhilfen für das hoch verschuldete Griechenland scharf kritisiert. Verhofstadt sagte der Tageszeitung "Die Welt": "Die Verabschiedung immer neuer Rettungspakte kann nicht die Lösung der Griechenland-Krise sein. Die neuen Hilfen werden die Finanzmärkte nicht überzeugen. Die Kredithilfen kommen viel zu spät und sind viel zu einseitig."
So seien neben den von den Europäern geforderten Reformen und Sparanstrengungen in Griechenland "auch Impulse für Wachstum und Investitionen notwendig". "Einfach noch mal viele Milliarden Euro nachzuschießen, das ist keine Lösung", erklärte Verhofstadt.
Mit Blick auf die Beteiligung des Privatsektors an den Kosten des neuen Rettungspaketes sagte Verhofstadt: "Die privaten Gläubiger müssen Verantwortung bei der Rettung Griechenlands übernehmen. Die beste Möglichkeit wäre, dass die Privaten ihre Anleihen zu einem großen Teil in Eurobonds umtauschen."
dapd