Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat sich anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Bonn-Berlin-Beschlusses für einen kompletten Umzug der Bundesministerien nach Berlin ausgesprochen. "Auf Dauer ist die Zweiteilung nicht vernünftig", sagte der ehemalige Parlamentspräsident der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.
"Auf Dauer ist die Zweiteilung nicht vernünftig"
Berlin (dapd). Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat sich anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Bonn-Berlin-Beschlusses für einen kompletten Umzug der Bundesministerien nach Berlin ausgesprochen. "Auf Dauer ist die Zweiteilung nicht vernünftig", sagte der ehemalige Parlamentspräsident der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Die konzentrierte Kommunikation in der Politik werde durch die 500 Kilometer Entfernung zwischen den Städten nicht befördert sondern behindert.
Allerdings verlangt Thierse keinen sofortigen Umzug. Es gehe nicht um eine Änderung in einem "Donnerschlag". Allerdings solle durch vernünftige Schritte die Arbeitsfähigkeit der Ministerien verbessert werden. "Das hilft auch der Demokratie insgesamt", sagte der 67-Jährige, der vor 20 Jahren für einen Umzug des Bundestages von Bonn nach Berlin stimmte. Es sei damals um die Vollendung der deutschen Einheit gegangen. "Dass die deutsche Politik nun inmitten Ostdeutschlands stattfindet, ist auch polit-psychologisch ein wichtiger Punkt."
Um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Bonn macht sich Thierse auch bei einem Wegzug der letzten Ministerien keine Sorgen. "Bonn geht es prächtig." Stadt und Region hätten rund 1,5 Milliarden Euro erhalten, um den Wegzug des Bundestages aufzufangen. "Bonn hat diese Entscheidung ökonomisch, sozial, kulturell nicht geschadet. Es ist eine blühende Stadt", findet Thierse.
Bislang unterhalten noch alle Bundesministerien Dienststellen in Bonn, sechs davon haben sogar noch ihren Hauptsitz in der alten Bundeshauptstadt. Fast die Hälfte der rund 20.000 Ministeriumsmitarbeiter arbeitet noch in Bonn.
dapd
