Tschechiens Staatsoberhaupt wirft Vertriebenen Unbelehrbarkeit vor Streit mit Präsident Klaus prägt Sudetendeutschen Tag

Eine neuerliche Verstimmung zwischen Prag und den Sudetendeutschen hat das 62. Pfingsttreffen der Heimatvertriebenen in Augsburg überschattet. Der tschechische Präsident Václav Klaus reagierte am Wochenende empört auf die Forderung der Sudetendeutschen nach Worten des Bedauerns für die Vertreibung und warf ihnen Unbelehrbarkeit vor.

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Streit mit Präsident Klaus prägt Sudetendeutschen Tag

Augsburg (dapd). Eine neuerliche Verstimmung zwischen Prag und den Sudetendeutschen hat das 62. Pfingsttreffen der Heimatvertriebenen in Augsburg überschattet. Der tschechische Präsident Václav Klaus reagierte am Wochenende empört auf die Forderung der Sudetendeutschen nach Worten des Bedauerns für die Vertreibung und warf ihnen Unbelehrbarkeit vor. Der oberste Repräsentant der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, verwahrte sich gegen den Angriff, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer stellte sich hinter die Heimatvertriebenen.

Der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Franz Pany, hatte zum Auftakt des Treffens am Samstag auf Queen Elisabeth verwiesen, die in Irland kürzlich Fehler Großbritanniens eingeräumt hatte. "Was hindert ein republikanisches Staatsoberhaupt wie den Präsidenten der Tschechischen Republik, solches oder Ähnliches in Richtung der vertriebenen und entrechteten Sudetendeutschen zu äußern?" Pany mahnte, gute Nachbarschaft werde befördert durch Ehrlichkeit und die Bereitschaft, auch Fehlverhalten einzugestehen.

Präsident beklagt Gefühllosigkeit

Klaus kritisierte daraufhin in einer Mitteilung, ausgerechnet kurz nach dem Jahrestag der grauenhaften Tragödie von Lidice eine Entschuldigung zu verlangen, sei Ausdruck von außerordentlicher Gefühllosigkeit und Unbelehrbarkeit. Das Dorf Lidice war von den Nationalsozialisten im Juni 1942 dem Erdboden gleichgemacht worden. 340 Menschen fielen diesem NS-Massaker zum Opfer.

Der tschechische Präsident betonte, die Streitigkeiten über die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg und alles, was mit ihm zusammenhing, ließen sich nicht durch Entschuldigungen lösen, schon gar nicht heute, also nach 66 Jahren. "Alle bisherigen entschuldigenden Äußerungen der tschechischen Seite wollen manche in Deutschland nicht hören", fügte Klaus hinzu.

Posselt kritisiert Klaus

Posselt sagte am Sonntag auf der Hauptkundgebung des Pfingsttreffens, er verstehe absolut nicht, warum Klaus "diesen Sudetendeutschen Tag in einer Art und Weise angreifen muss, die an die Zeit von vor 1989 erinnert". Klaus werde "als jemand in die Geschichte eingehen, der entscheidende Jahre verloren hat".

Der Sprecher der Sudetendeutschen verweis darauf, dass er im vergangenen Jahr in Tschechien drei zentrale Orte der Geschichte besucht habe: Lidice, das Konzentrationslager Theresienstadt und die Brücke von Aussig (Ùstí nad Labem), wo sudetendeutsche Zivilisten getötet worden waren.

Pany zeigte sich am Rande der Veranstaltung "sehr überrascht" über die Reaktion des tschechischen Präsidenten. Es sei "traurig", wie Klaus eine Art Pawlowschen Reflex zeige, indem er immer negativ auf Äußerungen der Sudetendeutschen reagiere.

Seehofer zurückhaltend

Seehofer stellte sich hinter Pany und Posselt: "Ich sage beiden vor dem Hintergrund dieser Tage: Sie haben die uneingeschränkte Solidarität der bayerischen Staatsregierung."

Ansonsten konzentrierte sich der Ministerpräsident in seiner Rede vor allem darauf, die gute Nachbarschaft zwischen Bayern und Tschechien zu betonen und hielt sich mit Kritik an Prag zurück. Er verwies lediglich darauf, dass in Tschechien "Rechtsauffassungen zur Vergangenheit" bestünden, "die nach unserer Überzeugung nicht in die europäische Wertegemeinschaft hineinpassen". Insgesamt aber zeigt sich laut Seehofer in Tschechien eine neue Bereitschaft, "verzerrte Geschichtsbilder zu überprüfen".

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