Nicht zu Ende gedacht
Zum Gastbeitrag Cem Özdemirs „Sanierungstempo muss erhöht werden“, DHZ 7 vom 3. April.
Cems Ökopartei ist doch (zusammen mit der SPD) selbst Schuld, dass es diesen Sanierungsstau gibt. Mit dem EEG hat maßgeblich Rot-Grün die „Erzeugung“ von Energie wirtschaftlich interessanter gestaltet als die Energieeinsparung. Ganze Flotten von Photovoltaikverkäufern grasen das Land ab und verkaufen, was das Zeug hält. Für jeden lukrativ, für Hersteller, Installateur und investierenden Hausbesitzer. Das EEG hat aber zwei wesentliche Strickfehler: Erstens, die Interessenten werden nicht über Alternativen aufgeklärt, z.B. darüber nachzudenken, wo ich einsparen kann, bevor ich ans zusätzliche Erzeugen denke. Viele der Häuser, auf denen PV-Anlagen installiert sind, befinden sich energetisch betrachtet in der Steinzeit. Zweitens ist die Finanzierung des EEG höchst unsozial. Der wirtschaftliche Vorteil des Betreibers wird finanziert durch alle Stromzahler also Rentner, Alleinerziehende, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger. Alle zahlen die Kosten der Einspeisung in Form einer Umlage. Die Kosten für alle Stromverbraucher sind der Gewinn des Betreibers. Rot-Grün hat aus unüberlegtem Aktionismus und geistiger Verblendung diese Aspekte beiseite geschoben und das EEG auf die Reise gebracht. Alternativen wurden nicht ausreichend berücksichtigt oder gar eingebaut. Durch eine neue Heizung, neue Fenster, sinnvolle Fassaden- und Dachsanierung ist ein weitaus höherer Energiebetrag (in kWh, nicht in Euro) einzusparen, als es die tollste PV-Anlage je liefern kann. Alleine durch die hohen Subventionen, zu Lasten aller, also auch der Schwachen, wurde dieser einseitige Schwachsinn möglich gemacht. Zu Ende gedacht war das nicht. Ich behaupte, dass das Geld, das eine PV-Anlage kostet, wenn es für Energieeinsparung verwendet werden würde, energetisch besser eingesetzt wäre. Ich gebe zu, einsparen ist nicht populär, heute nicht und auch nicht zu Zeiten von Rot-Grün.
Günther Holzhofer,
Aalen