DHZ-Konjunkturumfrage für das Jahr 2010 Bau mit Aufholpotenzial

Branchenspiegel: Wohnungs- und öffentlicher Bau ziehen an. Von Andreas Bücherl und Lothar Semper

Bau mit Aufholpotenzial

  • Baugewerbe: Der außerordentlich harte Winter hat die Bauwirtschaft zu Jahresbeginn erheblich belastet. Die Umsätze des Bauhauptgewerbes sind in den ersten beiden Monaten gegenüber den Vorjahresergebnissen um 23 Prozent gesunken. Der Auftragseingang war im Januar zwar rückläufig, hat aber im Februar deutlich zugelegt, so dass sich für den gesamten Zeitraum ein Orderplus von 6,3 Prozent im Vorjahresvergleich ergab, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. In den letzten Wochen des Berichtsquartals dürfte die Produktionstätigkeit im Wohnungsbau und insbesondere im öffentlichen Bau allmählich wieder in Schwung gekommen sein. Beide Sparten profitieren nach wie vor von den staatlichen Fördermaßnahmen. Andererseits befindet sich der Wirtschaftsbau weiter auf Talfahrt. Denn der Erholungsprozess in der gewerblichen Wirtschaft ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass die Unternehmen bereits wieder Erweiterungsinvestitionen in Angriff nehmen. Insgesamt ist die konjunkturelle Ausgangsbasis der Bauwirtschaft günstiger als noch vor einem Jahr.
  • Handwerk für gewerblichen Bedarf: Der Maschinenbau beginnt sich langsam von seiner schwersten Krise seit Jahrzehnten zu erholen. Nachdem die Branche im Januar noch ein leichtes Auftragsminus hinnehmen musste, verzeichnete sie im Februar eine zweistellige Zuwachsrate gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders die Auslandsnachfrage hat spürbar angezogen. Insgesamt lag das Bestellniveau aber noch um 20 Prozent unter dem der Jahre 2004 bis 2008, so der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Die Trendwende hat sich bislang noch nicht entscheidend auf die Produktion ausgewirkt. So war die Kapazitätsauslastung bei den handwerklichen Zulieferern immer noch geringfügig niedriger als ein Jahr zuvor.
  • Kraftfahrzeuggewerbe: Das Neuwagengeschäft ist im Berichtszeitraum – als Reaktion auf die letztjährige Abwrackprämie – erwartungsgemäß massiv eingebrochen. In den ersten drei Monaten sackten die Pkw-Neuzulassungen im Vorjahresvergleich um 22,8 Prozent ab. Am härtesten traf es das Kleinwagensegment, das von der staatlichen Subvention besonders profitiert hatte. Dagegen gab es in der oberen Mittelklasse und bei den Premiumfahrzeugen steigende Zulassungszahlen. Der Gebrauchtwagenhandel ist – vor allem witterungsbedingt – sehr schwach ins neue Jahr gestartet, hat sich aber in den letzten Wochen erholt. Der Servicebereich verzeichnete eine ähnliche Entwicklung und konnte daher ebenfalls nicht an das Vorjahresergebnis anschließen. Grundsätzlich besteht in diesem Geschäftsfeld noch ein erhebliches Potenzial. Denn nach dem jüngsten Mängelbericht der Sachverständigenorganisation GTÜ ist der Anteil der zugelassenen Autos mit schweren Mängeln 2009 auf 17,6 Prozent gestiegen.
  • Lebensmittelhandwerke: Die Geschäftstätigkeit von Bäckern und Metzgern stand in der Berichtsperiode im Zeichen der üblichen saisonalen Abwärtskräfte. Abgemildert wurden diese durch das Ostergeschäft, das größtenteils noch im 1. Quartal stattfand. Auch von der schwachen Verbrauchskonjunktur kamen keine Impulse. Die seit Jahresbeginn zusätzlich in Kraft getretenen Entlastungsmaßnahmen für die privaten Haushalte zeigten bisher keine besondere Wirkung im Konsumverhalten. Zudem machte den Nahrungsmittelhandwerkern nach wie vor der harte Konkurrenzkampf auf den traditionellen Absatzmärkten zu schaffen. Aus diesem Grund versuchen die Metzger, andere Absatzkanäle wie den mobilen Verkauf stärker zu forcieren. Alles in allem dürften die beiden Branchen die Vorjahresumsätze nur knapp erreicht haben. Die Brauer sind mit einem satten Absatzminus ins neue Jahr gestartet: Im Januar war der Bierkonsum zehn Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum.
  • Gewerbe für privaten Bedarf: In den Gesundheitshandwerken setzte sich in den ersten Monaten 2010 der Stabilitätskurs aus dem letzten Jahr fort. Die Augenoptiker rechnen aufgrund der demographischen Entwicklung mit einem guten mittelfristigen Potenzial, da die meisten Personen ab Mitte/Ende 40 fast automatisch "alterssichtig" werden und dann auf hochwertige Sehhilfen setzen. Die Zahntechniker beurteilen die Geschäftsentwicklung generell etwas skeptischer. Offenbar hat die 2005 erfolgte Absenkung des durchschnittlichen Zuschussniveaus in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die Nachfrage nach zahntechnischen Leistungen dauerhaft beeinträchtigt. Die Friseurbetriebe erreichten infolge des gedämpften Konsumklimas allenfalls die Umsatzergebnisse des Vorjahresquartals.