Die Gerüchte um einen Verkauf des Autoherstellers Opel haben in Thüringen für Irritationen gesorgt. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bezeichnete entsprechende Medienberichte als "absurd".
Landesregierung weist Spekulationen über Opel-Verkauf zurück
Rüsselsheim/Erfurt (dapd-lth). Die Gerüchte um einen Verkauf des Autoherstellers Opel haben in Thüringen für Irritationen gesorgt. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bezeichnete entsprechende Medienberichte als "absurd". In Gesprächen mit der Führung des Opel-Eigentümers General Motors (GM) sei ihr versichert worden, dass es den Ergebnissen eines Treffens Ende Mai in Detroit nichts hinzuzufügen gebe, sagte Lieberknecht am Donnerstag in Erfurt.
Auch Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) und der Eisenacher Opel-Betriebsrat wiesen die Spekulationen zurück. "Auto Bild" und "Spiegel Online" hatten berichtet, dass der US-Autohersteller GM den Verkauf seiner defizitären deutschen Tochter erwäge.
Bei ihrer USA-Reise habe sie mit GM-Chef Daniel Akerson ausführlich über die Strategie des Konzerns in Deutschland und Europa gesprochen, fügte Lieberknecht hinzu. Akerson habe dabei sein Bekenntnis zum thüringischen Standort erneuert. Machnig erklärte, er halte die Meldungen für erfunden. Die Landesregierung sei offiziell von Opel informiert worden, dass an den Spekulationen nichts dran sei.
Auch der Eisenacher Opel-Betriebsratschef Harald Lieske wies die Gerüchte über einen drohenden Verkauf als reine Spekulation zurück. "Das ist eine absolute Zeitungsente", sagte Lieske. Die Berichte seien aber "sicher nicht hilfreich". Zuvor hatte bereits der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Klaus Franz, die Spekulationen als enorm imageschädlich für Opel bezeichnet. Er forderte "ein klares Dementi von General Motors".
Die Linke warnte unterdessen vor einer neuen Hängepartie für die Opel-Beschäftigten. "Der Wahrheitsgehalt der Berichte muss hieb- und stichfest geprüft werden, um sich gegebenenfalls unverzüglich einzuschalten", sagte Linke-Wirtschaftsexperte Dieter Hausold. Die Landesregierung dürfe jetzt nicht nur abwiegeln, sondern müsse darauf drängen, dass die Gerüchte umgehend ausgeräumt würden.
In Eisenach produzieren rund 1.800 Mitarbeiter den Kleinwagen Corsa. Ende September hatte GM angekündigt, in dem Werk ab 2013 ein weiteres Modell mit dem Arbeitstitel Junior fertigen zu lassen.
Ein Opel-Sprecher nannte die Berichte Spekulationen, "die wir nicht kommentieren". Die Firmenleitung wandte sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag mit einem Schreiben an die verunsicherten Mitarbeiter.
GM wollte Opel bereits vor zwei Jahren verkaufen und hatte entsprechende Verhandlungen weit vorangetrieben, ehe der Weltkonzern aus Detroit seine Meinung änderte und Millionen in die Sanierung von Opel steckte. Laut "Auto Bild" mehren sich bei GM aber Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Opel. Nach "Spiegel"-Informationen sind die GM-Manager davon überzeugt, dass die US-Mutter nicht mehr auf Opel angewiesen sei. Sparsame Motoren und Modelle könne der US-Konzern auch von der Konzerntochter aus Korea beziehen.
Dem "Spiegel"-Bericht zufolge sorgt in der GM-Zentrale in Detroit zudem für Verärgerung, dass das Europageschäft weiterhin Verluste einfährt, während alle anderen Regionen profitabel arbeiten. In den vergangenen Monaten war das Geschäft bei Opel jedoch angesprungen, der Hersteller aus Rüsselsheim hatte der Konkurrenz Marktanteile abgenommen. Zuletzt war der Astra Kombi gut von den Kunden angenommen worden.
Nach den Pressemeldungen gelten als Kaufinteressenten chinesische Autohersteller, die auf dem europäischen Markt Fuß fassen wollen. Daneben gelte VW als möglicher Interessent.
Mehrere Fakten sprechen aber gegen die angeblichen Verkaufspläne: Erst am Dienstag zählte GM-Chef Akerson als eines der Konzernziele auf, "unser Europageschäft profitabel und nachhaltig zu machen". Ein Verkauf an Volkswagen würde außerdem Kartellprobleme aufwerfen. Zudem hatte Opel im April mit dem Bau eines Motorenwerks in Ungarn im Wert von 500 Millionen Euro begonnen.
dapd
