Die demografische Entwicklung macht sich im Handwerk immer stärker bemerkbar: Betriebe suchen früher nach Auszubildenden. Zugleich steigen die Arbeitkosten kräftig, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.
Weniger Bewerber, steigende Arbeitskosten
Die Handwerkskammern haben zum Stichtag 31. Mai 5.073 Auszubildende mehr als im Vorjahreszeitraum gemeldet. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist dies darauf zurückzuführen, dass auch in diesem Jahr "aufgrund der drohenden Bewerberlücke die Handwerksbetriebe frühzeitig ihre Ausbildungsverträge abschließen".
"Bis zum 31. Mai wurden im Handwerk 41.811 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in die Handwerksrolle eingetragen. Das sei ein Plus von 13,8 Prozent (plus 5.073) gegenüber dem Vorjahreszeitraum", sagte ZDH-Präsident Otto Kentzler. "Besonders hervorzuheben ist der Zuwachs von 16,6 Prozent in den neuen Bundesländern". Das sei im Westen ein Plus von 13,5 Prozent.
20.000 offene Ausbildungsplätze
Kentzler weiter: "Unsere Betriebe zeigen sich für die Situation sensibilisiert und schließen frühzeitig die Ausbildungsverträge ab. Dies gilt gerade für die neuen Länder. Dort übersteigt weiterhin das Angebot an freien Lehrstellen deutlich die Zahl der Bewerber. Wenn ein Betrieb und ein geeigneter Bewerber zusammen finden, wird in diesem Jahr zügig ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen." Aktuell sind laut dem ZDH allein in den Internet-Lehrstellenbörsen des Handwerks rund 20.000 freie Ausbildungsplätze registriert.
Das hohe Plus an neu abgeschlossenen Verträgen lässt nach Ansicht Kentzlers zu diesem Zeitpunkt daher keine Rückschlüsse auf das Ergebnis zu Beginn des Ausbildungsjahres zu. "Denn immer mehr Handwerkskammern in den alten Bundesländern melden, dass sich der Bewerbermangel deutlich verstärkt."
Handwerksbetriebe spüren jedoch den demografischen Wandel nicht nur bei den Auszubildenden, sondern auch bei den Löhnen der Mitarbeitern. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Kosten je geleistete Arbeitsstunde im Vergleich zum vierten Quartal 2010 saison- und kalenderbereinigt um zwei Prozent. Das sei der zweithöchste Anstieg seit 1997 gewesen.
Bruttolöhne gestiegen
Der Mitteilung zufolge erhöhten sich dabei die Kosten für Bruttolöhne und -gehälter um 1,3 Prozent, die Lohnnebenkosten um 4,4 Prozent. Im Vergleich zum ersten Quartal 2010 seien die Arbeitskosten im ersten Quartal 2011 kalenderbereinigt um 2,8 Prozent gestiegen.
Wie die Statistiker erläuterten, ist die Steigerung der Bruttolöhne und -gehälter vor allem durch den weiteren Abbau von Kurzarbeit und einer Zunahme von Sonderzahlungen bedingt. Gedämpft werde diese Entwicklung jedoch etwas durch den gleichzeitigen Anstieg der geleisteten Stunden.
Als wichtige Ursachen für den Anstieg der Lohnnebenkosten nannten die Statistiker zum einen eine höhere Anzahl von Krankheitstagen, die zu höheren Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geführt hätten. Zum anderen seien die Beitragssätze zur Arbeitslosen- und Krankenversicherung leicht gestiegen.
Wie die Behörde weiter mitteilte, verteuerte sich in Deutschland eine Stunde Arbeit im Jahr 2010 auf Jahressicht kalenderbereinigt um 0,8 Prozent. Der durchschnittliche Anstieg der Arbeitskosten in der gesamten Europäischen Union sei 2010 mit 1,8 Prozent höher als hierzulande gewesen.
dapd/rh