E.ON-Chef Johannes Teyssen bietet der Öffentlichkeit im Atomstreit ein widersprüchliches Bild. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima nahm der 51-jährige Manager zunächst Rücksicht auf die öffentliche Meinung und verzichtete demonstrativ auf eine Klage gegen das Atommoratorium. Doch jetzt lenkt er Deutschlands größten Energieversorger auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung.
Die zwei Gesichter des Johannes Teyssen
Düsseldorf (dapd). E.ON-Chef Johannes Teyssen bietet der Öffentlichkeit im Atomstreit ein widersprüchliches Bild. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima nahm der 51-jährige Manager zunächst Rücksicht auf die öffentliche Meinung und verzichtete demonstrativ auf eine Klage gegen das Atommoratorium. Doch jetzt lenkt er Deutschlands größten Energieversorger auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung.
Lautstark fordert Teyssen inzwischen für seine Aktionäre einen Ausgleich für die Einbußen durch die Energiewende. "Wer aussteigt, muss die entstehenden Vermögensschäden fair ausgleichen", schrieb er in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt". Als erster Stromkonzern kündigte E.ON außerdem eine Klage gegen die Brennelementesteuer an. Es geht um Milliarden.
Der promovierte Jurist begann seine Karriere beim Stromkonzern ausgerechnet 1989, als die Anti-Atom-Proteste hohe Wellen schlugen. Doch tut Teyssen unrecht, wer ihn deshalb heute zum Atom-Hardliner abstempelt. "Für mich persönlich war Kernkraft nie ein überhöhtes Thema, bei dem ein Seelenheil gerettet werden müsste", sagte der Manager kürzlich in einem Interview der "Wirtschaftswoche". Für penetrante Anti-AKW-Reden habe er genauso wenig Verständnis wie für aufdringlich Pro-Atom-Bekenner.
Wer Teyssen unmittelbar nach der Atomkatastrophe von Fukushima traf, erlebte einen tief erschütterten Manager, der sich intensiv mit der Verantwortung der Strombranche angesichts der Ereignisse in Japan auseinandersetzte.
Teyssen ist aber auch heute noch von der Sicherheit der deutschen Reaktoren überzeugt. Vor der Ethikkommission der Bundesregierung warnte er vor einem überhasteten Ausstieg und warb für die Kernkraft als Brücke in eine sauberere Energiezukunft. Dennoch hat er sich inzwischen mit dem Atomausstieg abgefunden.
Was der Konzernchef aber nicht hinnehmen will, sind die fehlenden Entschädigungsregelungen und das Festhalten an der Kernbrennstoffsteuer. Beides trifft E.ON härter als alle anderen Stromkonzerne in der Bundesrepublik. Denn der Konzern ist an 11 der 17 deutschen Kernreaktoren beteiligt. Sieben betreibt er selbst, an vier hält er Anteile. Rund die Hälfte der deutschen Stromproduktion des Unternehmens stammte 2010 aus Atommeilern.
Nach einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg drohen dem Konzern durch die Energiewende Ertragseinbußen bis zu 8,6 Milliarden Euro. "Ohne einen finanziellen Ausgleich wäre das ein einseitiger und ungerechtfertigter Eingriff in das Vermögen unserer Aktionäre", mahnte der Manager in seinem Gastbeitrag. Die Kosten für den Umbau des Energiesystems dürften nicht einseitig den Aktionären der Stromkonzerne aufgebürdet werden. "Es ist die gesamte Gesellschaft, die die Folgen und Kosten tragen muss", ist er überzeugt.
Und wenn Teyssen etwas für richtig und notwendig hält, dann setzt er sich mit aller Kraft dafür ein. Das zeigte sich bereits kurz nach seiner Amtsübernahme bei E.ON, als er dem Energieriesen einen radikalen Kurswechsel verordnete. Der Konzern soll künftig nach dem Willen des Managers vor allem außerhalb Europas wachsen. Weit weg von der deutschen Atom-Angst.
dapd
