Politiker der schwarz-gelben Koalition haben sich für einen Einstieg des russischen Gazprom-Konzerns beim größten deutschen Energieversorger E.ON ausgesprochen. "Ohne Atomkraft ist Deutschland künftig an Gaslieferungen aus Russland noch mehr interessiert als früher", argumentierte Martin Lindner, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, im "Handelsblatt" (Dienstagausgabe).
Koalitionspolitiker befürworten Gazprom-Beteiligung an E.ON
Berlin/Düsseldorf (dapd). Politiker der schwarz-gelben Koalition haben sich für einen Einstieg des russischen Gazprom-Konzerns beim größten deutschen Energieversorger E.ON ausgesprochen. "Ohne Atomkraft ist Deutschland künftig an Gaslieferungen aus Russland noch mehr interessiert als früher", argumentierte Martin Lindner, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, im "Handelsblatt" (Dienstagausgabe).
Ein Einstieg von Gazprom bei E.ON oder deren Gashandelstochter Ruhrgas würde diese wichtige deutsch-russische Kooperation stabilisieren und der gesamten deutschen Wirtschaft bezahlbare Strompreise sichern, sagte Lindner. "Die Grenzen einer Übernahme durch Gazprom werden allerdings dort sein, wo der größte deutsche Energieversorger seine Selbstständigkeit verlieren könnte."
Gazprom-Chef Alexej Miller hatte sich zuvor an Aktivitäten von E.ON interessiert gezeigt, von denen sich der Energiekonzern trennen will. Vor allem würde er einen Einstieg bei Ruhrgas prüfen, sagte Miller. Allerdings gibt es nach Millers Worten derzeit noch keine entsprechenden Offerten.
Ähnlich positiv wie Lindner äußerte sich auch Joachim Pfeiffer (CDU), wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion: "Ablehnende Reflexe gegen einen Einstieg von Gazprom bei E.ON sind unsinnig", sagte Pfeiffer dem "Handelsblatt". Gazprom betreibe seit Jahren mit BASF erfolgreich das Joint Venture Wingas. "Sollte Gazprom in den Energiesektor größer einsteigen, könnte sich das auch für die deutsche Wirtschaft lohnen. Mit dem beschleunigten Ausstieg aus der Kernkraft kann und wird Gas eine viel größere Rolle zur Sicherung einer stabilen Versorgungssicherheit für die deutsche Wirtschaft haben", sagte Pfeiffer.
Gazprom berief mit Wirkung zum 1. Juni den Hauptgeschäftsführer seiner Berliner Erdgas-Vermarktungstochter Gazprom Germania, Vladimir Kotenev, ab. Das teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite mit, ohne Gründe zu nennen. Kotenev war zuvor russischer Botschafter in Berlin. Gazprom Germania hat 520 Mitarbeiter, davon 180 am Hauptsitz der Unternehmensgruppe in Berlin.
dapd
