Der seinerzeitige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat kurz vor der Pleite der Kirch-Gruppe im Jahr 2002 mehrfach mit dessen Konkurrenten über eine drohende Übernahme durch ausländische Medienmogule und die Folgen für die deutsche Medienlandschaft beraten.
Rückschlag für Kirch im Prozess gegen Deutsche Bank
München (dapd). Der seinerzeitige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat kurz vor der Pleite der Kirch-Gruppe im Jahr 2002 mehrfach mit dessen Konkurrenten über eine drohende Übernahme durch ausländische Medienmogule und die Folgen für die deutsche Medienlandschaft beraten. Der frühere Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff sagte am Dienstag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht München, der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer habe sich aber wegen der Kreditbeziehungen mit Kirch so "zugeknöpft verhalten", dass die Gespräche ergebnislos geblieben seien.
Kirch hat die Deutsche Bank auf 3,3 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt, weil sie ihn gezielt in die Insolvenz getrieben habe. Middelhoff widersprach aber der Vermutung, die Bank habe sich bei Schröder mit der Konkurrenz gegen Kirch verschworen: "Wir teilen jetzt Kirch auf - das hat es nicht gegeben", betonte er vor Gericht. Altkanzler Schröder soll voraussichtlich im Juli als Zeuge vernommen werden.
Middelhoff sagte, Bertelsmann habe 2001 die Mehrheit an der RTL-Gruppe übernommen. Deshalb habe er sich große Sorgen gemacht, dass der US-Kabelunternehmer John Malone und der Medienunternehmer Rupert Murdoch die finanziell schwer angeschlagene Kirch-Gruppe und wesentliche Teile des deutschen Kabelnetzes übernehmen könnten. Deshalb habe er am 28. Dezember 2001 Schröder angerufen.
Der Kanzler habe ihn und den damaligen, inzwischen verstorbenen WAZ-Verleger Erich Schumann für den 3. Januar 2002 zu einem Abendessen nach Hannover eingeladen. Schumann habe die Axel-Springer-Verlagsanteile im Besitz von Kirch übernehmen wollen. Kirch hielt damals 40 Prozent, hatte das Paket aber für einen Kredit bei der Deutschen Bank verpfändet.
Middelhoff sagte, er habe Schröder vorgeschlagen, mit der Deutschen Bank Kontakt aufzunehmen, weil sie im Investmentbanking für Malone und Murdoch tätig sein könnte. Darauf habe Schröder Bankchef Breuer, WAZ-Chef Schumann und ihn zu einem weiteren Abendessen am 27. Januar 2002 eingeladen. Ihm selbst wäre ein schwacher Kirch lieber gewesen als ein starker US-Konkurrent, sagte Middelhoff, aber diese Hoffnung sei aufgrund der Schuldenlast von Kirch gleich null gewesen.
Breuer habe jedoch weder über Kirch noch über mögliche Beziehungen der Bank zu Murdoch oder Malone Auskunft gegeben. Insofern sei das Treffen "ergebnislos und für mein Anliegen eigentlich eher enttäuschend verlaufen", sagte der damalige Bertelsmann-Chef vor Gericht.
dapd
