Beverförden: "Wir sind gegen die drohende Bürokratisierung" Ehemalige Heimkinder enttäuscht über Entschädigungsempfehlungen

Ehemalige Heimkinder haben enttäuscht auf die Entschädigungsempfehlungen der Missbrauchsbeauftragten Christine Bergmann reagiert, die am Montag dem Runden Tisch der Bundesregierung vorgestellt werden sollen.

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Ehemalige Heimkinder enttäuscht über Entschädigungsempfehlungen

Osnabrück (dapd). Ehemalige Heimkinder haben enttäuscht auf die Entschädigungsempfehlungen der Missbrauchsbeauftragten Christine Bergmann reagiert, die am Montag dem Runden Tisch der Bundesregierung vorgestellt werden sollen. "Der Vorschlag, auf freiwilliger Basis Entschädigungen zu leisten, ist nach den Erfahrungen der Heimkinder mit Kirchen und Verbänden völlig indiskutabel", sagte Landessprecher Jürgen Beverförden der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagausgabe).

Beverförden vertritt ehemalige Heimkinder in Niedersachsen, die in den 50er und 60er Jahren unter Demütigungen, Gewalt und Arbeitszwang, aber auch unter sexuellem Missbrauch gelitten haben, und die bis heute nicht entschädigt worden sind. Er bedauerte überdies, dass Bergmann nicht den Mut habe, das in seinen Augen viel zu niedrige Angebot der katholischen Kirche von bis zu 5.000 Euro für Missbrauchsopfer klar zurückzuweisen.

Der Sprecher forderte stattdessen "ein Entschädigungsgesetz für alle Missbrauchsopfer, das einen festen Entschädigungskatalog festlegt". Die Zahlungen sollten sich nach seinen Worten nach dem rechtlichen Schmerzensgeldkatalog richten. Beverförden betonte ferner: "Wir sind gegen die drohende Bürokratisierung und gegen eine unendliche Zahl individueller Gerichtsverfahren." Zudem beharrten die ehemaligen Heimkinder auf einem gemeinsamen Entschädigungsfonds von Staat, Kirchen und Verbänden.

dapd