"Die Erde ist uns nur treuhänderisch anvertraut" Schneider fordert Abkehr vom "Fetisch Wachstum"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat auf dem Kirchentag in Dresden eine Abkehr vom "Fetisch Wachstum" gefordert. Die Definition des wirtschaftlichen Erfolgs müsse erweitert werden, sagte Schneider am Freitag in der Frauenkirche bei einer Diskussionsrunde über Wirtschaftswachstum und Glück.

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Schneider fordert Abkehr vom "Fetisch Wachstum"

Dresden (dapd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat auf dem Kirchentag in Dresden eine Abkehr vom "Fetisch Wachstum" gefordert. Die Definition des wirtschaftlichen Erfolgs müsse erweitert werden, sagte Schneider am Freitag in der Frauenkirche bei einer Diskussionsrunde über Wirtschaftswachstum und Glück. Eine Wirtschaft, die das Glück möglichst vieler Menschen ermögliche, sei von Nachhaltigkeit und Solidarität geprägt.

"Die Erde ist uns nur treuhänderisch anvertraut", sagte Schneider. Eine Generation müsse beim Konsum immer daran denken, was die ihr folgenden noch brauchen werden. Zum Thema Solidarität sagte der EKD-Ratsvorsitzende, die Verteilungsgerechtigkeit sei in den vergangenen Jahren zu sehr in den Hintergrund gerückt. Das habe die Maßlosigkeit gefördert, die zur Finanzkrise geführt habe.

Der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) plädierte indes für mehr Verantwortlichkeit des Einzelnen. Der Weg zum Glück liege in der Zusammenarbeit, nicht in Hierarchien. Wenn Mitarbeiter etwa am Ertrag eines Unternehmens beteiligt würden, seien sie glücklicher. Glück entstehe aus eigener Leistung, betonte Biedenkopf, wobei Leistung auch bedeuten könne, sich zugunsten Anderer zu beschränken, seien es folgende Generationen oder andere Mitglieder einer Solidargemeinschaft.

Ein neues Verständnis von Wirtschaftswachstum ist eines der zentralen politischen Themen auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden. Am Freitagmorgen hatte der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner (SPD), betont, eine Umkehr sei nötig, weil eine endliche Erde kein unendliches Wachstum vertrage. Bereits am Donnerstag hatten rund 1.000 Kirchentagsteilnehmer einstimmig eine Resolution über Alternativen zum Wirtschaftswachstum verabschiedet, die auf einer Zunahme an Lebensqualität basieren.

dapd