Sprengfalle tötet deutschen Soldaten in Nordafghanistan Vierter Toter in neun Tagen

Innerhalb von gut einer Woche ist der vierte Bundeswehrsoldat einem Anschlag in Afghanistan zum Opfer gefallen. "Einmal mehr haben wir einen gefallenen deutschen Soldaten und fünf zum Teil schwer verwundete zu beklagen", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Donnerstag in Dresden zum jüngsten Anschlag. Ein Verletzter sei in kritischem Zustand.

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Vierter Toter in neun Tagen

Berlin/Dresden (dapd). Innerhalb von gut einer Woche ist der vierte Bundeswehrsoldat einem Anschlag in Afghanistan zum Opfer gefallen. "Einmal mehr haben wir einen gefallenen deutschen Soldaten und fünf zum Teil schwer verwundete zu beklagen", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Donnerstag in Dresden zum jüngsten Anschlag. Ein Verletzter sei in kritischem Zustand. Die Soldaten waren am Morgen mit ihrem Panzer von einer Sprengfalle getroffen worden. Trotz der neuen Opfer will de Maizière am Afghanistan-Einsatz festhalten.

"Die Häufung der Anschläge sorgt uns", sagte der CDU-Politiker. Die Anschlagsgefahr im Norden sei zwar nach wie vor geringer als im Süden. Allerdings habe die Zahl der Sprengstoffanschläge auch im Norden überproportional zugenommen. Der Minister wünschte den Verwundeten baldige Genesung und drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.

Zur Zukunft des Afghanistan-Einsatzes sagte de Maizière: "Wenn wir jetzt gingen, würde das Vertrauen und das Selbstvertrauen der Afghanen erst recht erschüttert und die Taliban hätten ein leichtes Spiel." Die Afghanen bräuchten die deutsche Unterstützung. "Sie können auf uns zählen." Insbesondere im Norden des Landes seien die Taliban dabei, an Boden zu verlieren, betonte de Maizière. Gerade deswegen bleibe ihnen "nur noch das besonders perfide Mittel von Terror und Sprengstoffanschlägen". Die Taliban versuchten damit den Eindruck von Stärke zu vermitteln, doch das Gegenteil sei der Fall.

"Ich sende in diesen schweren Tagen eine klare Botschaft an die Menschen in Deutschland, an die Männer und Frauen im Einsatz", sagte der CDU-Politiker. "Diese Botschaft sollen aber auch diejenigen hören, die Afghanistan mit brutaler Gewalt zurückwerfen wollen: Vor Gewalt darf man nicht weichen."

Soldaten sollten nach Sprengfallen suchen

Den Angaben der Bundeswehr zufolge war am Donnerstagmorgen ein Sprengsatz explodiert und hatte einen deutschen Schützenpanzer vom Typ Marder getroffen. Der Ort des Anschlags liegt etwa 36 Kilometer südlich der Stadt Kundus in der Provinz Baghlan, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam auf dapd-Anfrage mitteilte. Der Sprengsatz sei um 9.54 Uhr Ortszeit explodiert, das entspricht 7.24 Uhr deutscher Zeit. Die zwei Schwer- und drei Leichtverletzten seien von US-amerikanischen Hubschraubern ins Rettungszentrum Kundus transportiert worden.

Laut Bundeswehr gehörten die Soldaten zu einer Einheit, die gemeinsam mit afghanischen Kräften eine Rückkehr von Aufständischen in ein bestimmtes Gebiet im sogenannten Kandahari-Gürtel verhindern soll. Am Donnerstagmorgen sollten sie an einer wichtigen Verbindungsstraße in dem Gebiet nach Sprengfallen suchen, um die Straße "für eigene Bewegungen zu öffnen".

Bei dem getöteten Soldaten handle es sich um einen 23 Jahre alten Oberstabsgefreiten. Sowohl der Getötete als auch die fünf Verwundeten gehörten zur Panzerbrigade 21 aus dem Standort Augustdorf in Nordrhein-Westfalen.

Roth fordert Strategiedebatte

Die Fraktionschefs der Grünen im Bundestag, Renate Künast und Jürgen Trittin, erklärten den Angehörigen des Gefallenen ihr tiefes Mitgefühl. "In diesen Tagen bekommen wir besonders schmerzlich vor Augen geführt, mit welchem hohen Einsatz sich unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan engagieren", erklärten die Politiker. Parteichefin Claudia Roth forderte "eine politische Debatte über die seit Monaten andauernde Offensivstrategie der ISAF in Afghanistan, die bislang auch von der Bundesregierung unterstützt wird". Diese führt "offenkundig" nicht zur Stabilisierung Afghanistans.

Für die FDP-Fraktion teilten der Vorsitzende Rainer Brüderle und die sicherheitspolitische Sprecherin Elke Hoff mit, sie verurteilten den "hinterhältigen Anschlag". "Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Familien, den Angehörigen und Kameraden." Es müsse "alles Menschenmögliche" getan werden, um den Schutz der Soldaten im Einsatz vor Sprengfallen zu verstärken.

Die Parteichefs der Linken, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, sowie Fraktionschef Gregor Gysi forderten einen sofortigen Abzug der Bundeswehr. Der Einsatz habe seine Ziele verfehlt. Die jüngsten Anschläge zeigten "auf grausame Weise, dass jeder weitere Kriegstag die Gewaltspirale in Afghanistan eskalieren lässt".

Erst am Samstag waren bei einem Anschlag auf ein deutsch-afghanisches Sicherheitstreffen in der Provinzhauptstadt Talokan zwei Bundeswehrsoldaten getötet und sechs verletzt worden. Drei Tage zuvor starb ein deutscher Soldat beim Anschlag mit einer Sprengfalle nordwestlich von Kundus. Ein weiterer wurde leicht verletzt, ebenso wie ein afghanischer Übersetzer.

dapd