"Wir müssen schauen, wie wir die Gläubigen erreichen" Beckstein: Evangelische Kirche soll mehr "Dienstleister" sein

Die evangelische Kirche muss nach Ansicht des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) ihre Rolle noch stärker als die eines Dienstleister für ihre Mitglieder verstehen.

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Beckstein: Evangelische Kirche soll mehr "Dienstleister" sein

Dresden (dapd). Die evangelische Kirche muss nach Ansicht des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) ihre Rolle noch stärker als die eines Dienstleister für ihre Mitglieder verstehen. "Sie hat für die Gläubigen da zu sein und nicht für die Organisation", sagte der heutige Vizepräses in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion auf dem Kirchentag in Dresden.

Derzeit beschäftigten sich beispielsweise die Gremien der EKD-Synode noch zu häufig mit technischen Fragen der Kirchenorganisation: "Man überlegt, wie viele halbe Stellen man dahin gibt und wie viele Viertelstellen dorthin", sagte Beckstein. Der Politiker merkte zudem an, die Diskussionsfreude in vielen kirchlichen Gremien sei "noch stärker ausgeprägt als im Landtag". Das verzögere Entscheidungen. Künftig müsse die Kirche wieder stärker auf die Bedürfnisse der Mitglieder eingehen. "Wir müssen schauen, wie wir die Gläubigen erreichen, und dürfen nicht Hierarchie über Dienstleistung stellen", sagte Beckstein.

Der Religionssoziologe Hubert Knoblauch sieht dabei allerdings noch erhebliche Defizite. "Die Durchlässigkeit für Bewegungen von unten muss bis in die hohen Spitzen gelockert werden", sagte der Wissenschaftler auf der Podiumsdiskussion. Knoblauch betonte, die Kirche spiele "in wenigen Ländern eine so tragende Rolle wie in Deutschland". Er verwies auf die starke christliche Prägung des Grundgesetzes, den Religionsunterricht, theologische Fakultäten an den Universitäten oder die Kirchensteuer.

Allerdings fänden immer mehr Gläubige ihre Heimat nicht mehr in der organisierten Kirche, sondern etwa in freikirchlichen Bewegungen. Die entscheidende Frage für die Zukunft der evangelischen Kirche werde daher sein, "ob sie die Vitalität dieser Bewegung aufnehmen kann".

dapd