Bei einem Preis von 1,40 Euro für Benzin gehen rund 88 Cent Steuern pro Liter an den Staat. Im DHZ-Interview spricht Ulrich Klaus Becker vom ADAC über Einflussgrößen, Preistreiber und den richtigen Zeitpunkt zum Tanken. Interview: Karin Birk
"Benzinpreise sind seit Wochen überhöht"
DHZ: Bundespräsident Horst Köhler hat vor Kurzem höhere Steuern auf Benzin gefordert, um so den Umweltschutz zu fördern. Ist der Benzinpreis tatsächlich zu niedrig?
Becker: Klares Nein. Die Autofahrer sind bereits heute durch extrem hohe Kraftstoffpreise belastet. Dies gilt insbesondere für die Millionen Pendler, die täglich auf das Auto und eine bezahlbare Mobilität angewiesen sind. Den Benzinpreis zu erhöhen, hieße auch, die von der Wirtschaft zu Recht erwartete Mobilität und Flexibilität des Einzelnen zusätzlich zu erschweren.
DHZ: Verkehrsminister Ramsauer sieht in Köhlers Worten eine Ermutigung an die Mineralölwirtschaft, die Preise zu erhöhen. Teilen Sie die Befürchtung?
Becker: Obwohl die Preise bereits seit Wochen extrem überhöht sind, ist dies in der Tat zu befürchten. Zumal vor dem Osterreiseverkehr, der von den Ölkonzernen häufig für massive Preisanhebungen genutzt wird.
DHZ: Seit Jahren sinkt der durchschnittliche Verbrauch von Kraftfahrzeugen. Ist das nicht auch eine Folge der hohen Steuern auf Benzin?
Becker: Nein, dies ist vor allem eine Folge der Anstrengungen der Automobilhersteller, sparsamere Autos zu entwickeln. Denken Sie an die Einspritztechnik, die den spritfressenden Vergaser abgelöst hat. Hohe Steuern können jedoch dazu beitragen, dass die Autofahrer weniger fahren oder auf verbrauchsärmere Fahrzeuge umsteigen.
DHZ: Wie viel geht denn von jeder Tankfüllung an den Staat?
Becker: Bei einem Preis von 1,40 Euro für Benzin gehen rund 88 Cent Steuern pro Liter an den Staat. Bei einer Tankfüllung von 60 Litern bezahlt der Autofahrer über 52 Euro Steuern.
DHZ: In der jüngsten Vergangenheit wurde nicht an der Steuerschraube gedreht, dennoch sind die Preise gestiegen. Woran liegt das?
Becker: Die bestimmenden Einflussgrößen für den Preis an der Tankstelle sind die Steuern, die gleichgeblieben sind, der Rohölpreis und das Tauschverhältnis zwischen Euro und US-Dollar. Obwohl der Euro zurzeit schwächelt, sind die hohen Kraftstoffpreise vor allem auf die Preispolitik der Mineralölkonzerne zurückzuführen.
DHZ: Lassen die Rohölnotierungen höhere Benzinpreise erwarten?
Becker: Der aktuelle Rohölpreis von 79 Dollar je Barrel rechtfertigt die extrem hohen Kraftstoffpreise absolut nicht. Die Ölkonzerne haben reichlich Spielraum für Preissenkungen.
DHZ: Überall wird über Spekulanten geschimpft, treiben sie auch die Ölpreise in die Höhe?
Becker: Spekuliert wird hauptsächlich beim Rohölpreis. Der ist aber derzeit stabil. Daher spielen sie bei den aktuell zu beobachtenden Preisentwicklungen an den Tankstellen kaum eine Rolle.
DHZ: Üblicherweise steigen die Benzinpreise in der Osterzeit besonders stark. Ist dieser Effekt schon spürbar?
Becker: Ungeachtet der ohnehin schon überhöhten Preise steht zu befürchten, dass die Ölkonzerne rund ums Osterfest noch weiter an der Preisschraube drehen werden.
DHZ: Was können die Autofahrer dagegen tun?
Becker: Es kommt entscheidend darauf an, vor dem Tanken die Preise zu vergleichen und dann gezielt die günstigste Tankstelle anzusteuern. Oftmals unterscheiden sich die Kraftstoffpreise auch innerhalb eines Ortes erheblich. Da kann man leicht den einen oder anderen Euro sparen. Wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, gibt es auch – je nach Wochentag – unterschiedlich hohe Preise. Montags tankt man meist am günstigsten, freitags am teuersten.
