Den richtigen Kurs aus der Krise für die Schifffahrtsbranchen hat die 7. Nationale Maritime Konferenz am ersten Tag noch nicht geliefert. Nachdem die Vorstellungen von Wirtschaft und Politik zunächst weit auseinanderlagen, machten aber beide Seiten immerhin zwei große Stolpersteine aus, die ihrer Meinung nach die Fahrt in eine bessere Zukunft blockieren.
Schulterschluss gegen Banken und Chinesen
Wilhelmshaven (dapd). Den richtigen Kurs aus der Krise für die Schifffahrtsbranchen hat die 7. Nationale Maritime Konferenz am ersten Tag noch nicht geliefert. Nachdem die Vorstellungen von Wirtschaft und Politik zunächst weit auseinanderlagen, machten aber beide Seiten immerhin zwei große Stolpersteine aus, die ihrer Meinung nach die Fahrt in eine bessere Zukunft blockieren: die deutschen Privatbanken und die mit enormen staatlichen Mitteln subventionierte Konkurrenz in Asien.
"Wir dürfen uns nicht wechselseitig die Schuld zuweisen. Der wahre Gegner, was unfaire Marktbedingungen angeht, sind die Chinesen", sagte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Hans-Joachim Otto (FDP), am Freitag in Wilhelmshaven.
Die Europäer müssten einen Gegenpol zu der immer aggressiver werdenden Konkurrenz in China bilden, schlug Otto vor. Ins gleiche Horn stieß Bernard Meyer, Chef der für ihre riesigen Kreuzfahrtschiffe bekannten Papenburger Meyer-Werft. "Wir müssen viel fantasievoller sein, um die Problematik, die aus Südostasien auf uns zurollt, zu bewältigen", sagte Meyer.
Gemurre nach Röslers Absage an Finanzhilfen
Otto regte einen Runden Tisch zwischen Wirtschaft, Politik und Privatbanken an. Dort solle in Erfahrung gebracht werden, warum sich die Geldinstitute so weit aus den Schiffsfinanzierungen zurückgezogen hätten. "Das Interesse an der unverzichtbaren maritimen Branche muss wieder in Gang gesetzt werden", appellierte der FDP-Politiker an die Banken.
Ihm zur Seite stand Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Er kenne in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt nur zwei Banken, die noch Schiffsneubauten finanzieren würden, sagte der Minister.
Dem Schulterschluss gegen Banken und Chinesen war ein unüberhörbares Murren in der Schifffahrtsindustrie vorangegangen, nachdem der neue Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) alle Forderungen aus Branchenkreisen nach zusätzlichen Finanzhilfen des Bundes abgewiesen hatte.
Es sei nicht geplant, das neue Offshore-Sonderprogramm der staatlichen KfW-Bank mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro auch für die Werften und damit den Bau von Offshore-Versorgungsschiffen zu öffnen, sagte Rösler. Auch zum teilweisen Ausstieg des Bundes aus dem vor elf Jahren initiierten maritimen Bündnis von Wirtschaft und Politik gibt es nach Angaben des Ministers keine Alternative. Die Bundesregierung plant, die Beteiligung an den Lohnnebenkosten für Seeleute an Bord deutscher Schiffe zu halbieren. "Es wird zu Einschränkungen kommen", kündigte Rösler an.
Übrig blieb vor der am Samstag erwarteten Grundsatzrede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) neben der gemeinsamen Bankenschelte nur die Kritik an der asiatischen Subventionspolitik. Der schloss sich auch Rösler an. Die Asiaten hielten sich nicht an die Prinzipien der freien Marktwirtschaft, kritisierte er und fügte hinzu, dass dieses Vorgehen trotz seines asiatischen Aussehens für ihn nicht gelte.
dapd
