Hohe Lagerbestände Experte hält aktuellen Rohölpreis als fundamental nicht begründet

Die politischen Unsicherheiten im Nahen Osten und Nordafrika sind nach Ansicht von Gabor Vogel, Rohstoff-Analyst der DZ Bank, der Haupttreiber für den Ölpreis. Der Markt habe befürchtet, dass die Libyen-Krise auch auf Saudi-Arabien überspringen könne. "Das ist aber nicht passiert", sagte Vogel im dapd-Interview. Der Anstieg des Ölpreises sei deswegen nicht fundamental begründet.

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Experte hält aktuellen Rohölpreis als fundamental nicht begründet

Frankfurt/Main (dapd). Die politischen Unsicherheiten im Nahen Osten und Nordafrika sind nach Ansicht von Gabor Vogel, Rohstoff-Analyst der DZ Bank, der Haupttreiber für den Ölpreis. Der Markt habe befürchtet, dass die Libyen-Krise auch auf Saudi-Arabien überspringen könne. "Das ist aber nicht passiert", sagte Vogel im dapd-Interview. Der Anstieg des Ölpreises sei deswegen nicht fundamental begründet.

Die Lagerbestände seien momentan hoch und würden sich voraussichtlich erst im nächsten Jahr verknappen, sagt Vogel weiter. Er rechnet für dieses Jahr mit sinkenden Preisen. Seiner Einschätzung nach könnte die Nordseesorte Brent auf 100 Dollar je Barrel (159 Liter) sinken.

Zwar gingen viele Marktteilnehmer davon aus, dass wegen der anstehenden Urlaubssaison die Ölpreise klettern würden, da dann traditionell mehr Kilometer mit dem Auto zurückgelegt würden. Ob tatsächlich mehr Sprit verfahren wird, ist nach Ansicht von Vogel jedoch fraglich. Die Verbraucher reagierten bereits auf die hohen Preise.

Von steigenden Preisen geht Vogel im nächstem Jahr aus. 2012 dürften die Nachfrage höher als das Angebot und die Reservekapazität der OPEC gering sein, begründet er. Ein wichtiger Faktor für die Höhe des Anstiegs sei, was in Schwellenländern wie China geschehe. Diese Länder kämpften mit einer steigenden Inflation und stark verteuernden Lebensmittelpreisen.

Die Regierungen der aufstrebenden Wirtschaftsmächte, die bisher ein deutlich stärkeres Wachstum als die Industrieländer verzeichnen, würden zwangsläufig gegen diese Entwicklung steuern, sagte Vogel. Dadurch werde die Konjunktur dort an Dynamik verlieren. Der Experte geht nicht von einem Absturz aus, der sich auch negativ auf den Ölpreis auswirken würde, sondern von einer sanften Minderung des Wachstums.

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