GdP spricht von "linksextremistischem Terror" - Wirtschaftlicher Schaden noch nicht absehbar Sicherheitsbehörden beraten nach Brandanschlag auf S-Bahn

Der Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn hat heftige politische Reaktionen und eine Sicherheitsdebatte ausgelöst. Wegen des Anschlags beriefen Bundes- und Landesbehörden am Dienstag kurzfristig ein Sicherheitstreffen ein. Es gab laut Polizei noch keine konkreten Hinweise auf die Täter.

Foto: dapd

Sicherheitsbehörden beraten nach Brandanschlag auf S-Bahn

Berlin (dapd). Der Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn hat heftige politische Reaktionen und eine Sicherheitsdebatte ausgelöst. Wegen des Anschlags beriefen Bundes- und Landesbehörden am Dienstag kurzfristig ein Sicherheitstreffen ein. Es gab laut Polizei noch keine konkreten Hinweise auf die Täter. Der Kabelbrand sorgte nicht nur für Chaos im S-Bahn- und Zugverkehr, sondern legte zeitweilig auch Telefonnetze lahm.

Nach einem im Internet veröffentlichten linksautonomen Bekennerschreiben, das die Polizei für echt hält, gehen die Sicherheitsbehörden von einem gezielten Brandanschlag aus. Die Gewerkschaft der Polizei bezeichnete die Tat als "linksextremistischen Terror". In dem Bekennerschreiben stellen die bislang unbekannten Verfasser die Tat in Zusammenhang mit den Themen "Anti-Atom", "Antimilitarismus" und "Antirassismus/Flüchtlingsproblematik".

An dem Sicherheitstreffen in der Senatsinnenverwaltung nahmen Berlins Innenstaatssekretär Ulrich Freise, Polizeipräsident Dieter Glietsch, Vertreter der Bahn, des Verfassungsschutzes, des Landeskriminalamtes und des Bundesinnenministeriums teil. Es seien "die Kommunikationswege für einen schnellen Informationsaustausch festgelegt und über das weitere Vorgehen beraten" worden, sagte die Sprecherin der Innenverwaltung. Details nannte sie nicht.

Politiker verurteilen Brandanschlag

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte den Anschlag. "Falls sich der sogenannte Bekennerbrief als echt erweist, würde es sich jedenfalls um Täter mit einem wirren Gedankenhintergrund handeln, die versuchen, angeblich politische Gründe für ihr kriminelles Handeln vorzuschieben", sagte er.

Die Berliner Links-Fraktion nannte den Brandanschlag "feige und dumm". Jegliche vorgeschobene politische Motivation sei "absurd", betonten die Abgeordneten Jutta Matuschek und Marion Seelig.

Auch die Grünen sprachen den Brandstiftern jegliches Recht auf eine politische Rechtfertigung ab. "Das waren keine AKW-Gegner, das waren einfach Idioten", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin. Die Liberalen sahen in dem Anschlag die Fortsetzung "linksextremistischer Gewalt in der Stadt". Die Berliner CDU-Fraktion interpretierte den Brandanschlag als "Kampfansage der Linken".

Kein neues Sicherheitskonzept

Derweil wies die S-Bahn, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB), Forderungen nach einem neuen Sicherheitskonzept zurück. Das bei dem Anschlag in Brand gesteckte Kabel sei nur vorübergehend wegen der Bauarbeiten am Ostkreuz oberirdisch zugänglich gewesen, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. "Wir überprüfen in Zusammenarbeit mit der Polizei ständig die Sicherheit, aber man kann die Gleise nicht permanent überwachen, hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben", fügte er hinzu.

Zuvor hatte der Innenexperte der Berliner SPD-Fraktion, Thomas Kleineidam, die Sicherheitsvorkehrungen der Bahn auf dem Bahnhof als ungenügend kritisiert. "Wenn an einer einzigen Stelle ein Brand solche Auswirkungen haben kann, dann glaube ich, muss schon überprüft werden, ob da das richtige Sicherheitskonzept vorliegt", sagte Kleineidam.

Wirtschaftlicher Schaden noch nicht absehbar

Der Kabelbrand am S-Bahnhof Ostkreuz hatte am Montag Bahn- und Telefonverbindungen gekappt und in der Hauptstadt ein Verkehrschaos ausgelöst. Es handelt sich nach DB-Angaben um den größten Nahverkehrsknoten Berlins. Seit 2006 wird dort gebaut. Die Arbeiten sollen 2016 abgeschlossen sein.

Noch am Dienstagnachmittag mussten Bahnkunden mit Einschränkungen rechnen, vor allem auf der östlichen Ringbahn und allen Strecken östlich des Berliner Ostbahnhofs. Fernverkehrszüge hielten nicht am Ostbahnhof. Eine genaue Prognose zum Ende der Reparaturarbeiten wollte Bahnsprecher Ahlert nicht geben, die Beeinträchtigungen sollten "noch die nächsten Tage" andauern.

Der wirtschaftliche Schaden des Anschlags sei derzeit noch nicht absehbar, sagte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage. Laut Bahnchef Rüdiger Grube, der den Anschlag ebenfalls verurteilte, hat die Bahn dadurch "ihr Leistungsversprechen" gegenüber "Zehntausenden Kunden" nicht einhalten können.

dapd