Noch keine konkrete Spur zu Brandstiftern - Trittin nennt Täter "Idioten" Brandanschlag auf S-Bahn löst Sicherheitsdebatte aus

Der Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn hat eine Sicherheitsdebatte und heftige politische Reaktionen ausgelöst. Die Polizei bezeichnete ein Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene als "authentisch". Dennoch hatten die Ermittler am Dienstag zunächst keine Spur zu den Tätern. Bahnsprecher Burkhard Ahlert wies Forderungen nach einem neuen Sicherheitskonzept zurück.

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Brandanschlag auf S-Bahn löst Sicherheitsdebatte aus

Berlin (dapd-bln). Der Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn hat eine Sicherheitsdebatte und heftige politische Reaktionen ausgelöst. Die Polizei bezeichnete ein Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene als "authentisch". Dennoch hatten die Ermittler am Dienstag zunächst keine Spur zu den Tätern. Bahnsprecher Burkhard Ahlert wies Forderungen nach einem neuen Sicherheitskonzept zurück.

Der Kabelbrand am S-Bahnhof Ostkreuz hatte am Montag Bahn- und Telefonverbindungen gekappt und in der Hauptstadt ein Verkehrschaos ausgelöst. Es handelt sich nach DB-Angaben um den größten Nahverkehrsknoten Berlins. Seit 2006 wird dort gebaut. Die Arbeiten sollen 2016 abgeschlossen sein.

Noch am Dienstagnachmittag mussten Bahnkunden mit Einschränkungen rechnen, vor allem auf der östlichen Ringbahn und allen Strecken östlich des Berliner Ostbahnhofs. Fernverkehrszüge hielten nicht am Ostbahnhof. Eine genaue Prognose zum Ende der Reparaturarbeiten wollte Bahnsprecher Ahlert nicht geben, die Beeinträchtigungen sollten "noch die nächsten Tage" andauern.

Die Bahn arbeitete nach Angaben des Sprechers rund um die Uhr an den Reparaturen. "Es sind mindestens 50 Mitarbeiter Tag und Nacht mit den Reparaturarbeiten beschäftigt", sagte Ahlert. Am Ostkreuz sei die Signal- und Sicherungstechnik dreier Stellwerke beschädigt worden.

Zu den Forderungen nach mehr Sicherheit sagte der Sprecher, das bei dem Anschlag in Brand gesteckte Kabel sei nur vorübergehend wegen der Bauarbeiten am Ostkreuz oberirdisch zugänglich gewesen: "Wir überprüfen in Zusammenarbeit mit der Polizei ständig die Sicherheit, aber man kann die Gleise nicht permanent überwachen, hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben."

Der innenpolitische Sprecher der Berliner SPD-Fraktion, Thomas Kleineidam, hatte die Sicherheitsvorkehrungen der Bahn auf dem Bahnhof als ungenügend kritisiert. "Wenn an einer einzigen Stelle ein Brand solche Auswirkungen haben kann, dann glaube ich, muss schon überprüft werden, ob da das richtige Sicherheitskonzept vorliegt", sagte Kleineidam.

Der Berliner Innenstaatssekretär Ulrich Freise (SPD) widersprach seinem Parteifreund. "Wir haben von der Bahn erfahren, dass es seit Jahren Vorkehrungen zur Sicherheit dieser Anlagen gibt", sagte er nach einem Treffen mit Polizeipräsident Dieter Glietsch und Vertretern der Bahn, des LKA, des Verfassungsschutzes und des Bundesinnenminsteriums.

In einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene stellten die unbekannten Verfasser nach Polizeiangaben die Tat in Zusammenhang mit den Themen "Anti-Atom", "Antimilitarismus" und Antirassismus/Flüchtlingsproblematik". Der Staatsschutz ermittelt.

Die Berliner Links-Fraktion verurteilte den Brandanschlag als "feige und dumm". Jegliche vorgeschobene politische Motivation sei "absurd", betonten die Abgeordneten Jutta Matuschek und Marion Seelig. Mit Gewalt und Brandsätzen erreiche man keine politischen Ziele, sondern diskreditiere sie. "Das einzige, was die mutmaßlichen Täter mit dieser Aktion bei den Berlinerinnen und Berlinern erreichen, ist Verärgerung und Unverständnis."

Auch die Grünen sprachen den Brandstiftern jegliches Recht auf eine politische Rechtfertigung ab. "Das waren keine AKW-Gegner, das waren einfach Idioten", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin.

Die Liberalen sahen in dem Anschlag die Fortsetzung "linksextremistischer Gewalt in der Stadt", die eine "neue Gewaltdimension" befürchten lasse. Die Berliner CDU-Fraktion interpretierte den Brandanschlag als "Kampfansage der Linken".

dapd