De Maizière informiert sich in Laage über Einsatz- und Einsparmöglichkeiten der Luftwaffe Verteidigungsminister verzichtet dankend auf Eurofighter-Flug

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) nimmt gern Platz in der Pilotenkanzel des Eurofighters und lässt sich das Instrumentenpult des Jagdfliegers erklären. Ein Mitflug, wie er bei seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf der Wunschliste stand, kommt für de Maizière nicht infrage. Er sei kein Soldat, er sei Oberbefehlshaber, sagt der 57-Jährige.

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Verteidigungsminister verzichtet dankend auf Eurofighter-Flug

Laage (dapd-lmv). Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) nimmt gern Platz in der Pilotenkanzel des Eurofighters und lässt sich das Instrumentenpult des Jagdfliegers erklären. Ein Mitflug, wie er bei seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf der Wunschliste stand, kommt für de Maizière nicht infrage. Er sei kein Soldat, er sei Oberbefehlshaber, sagt der 57-Jährige am Dienstag bei seinem Antrittsbesuch bei der Luftwaffe im Fliegerhorst Rostock-Laage.

Im Bundeswehr-Parka läuft de Maizière einen ganzen Vormittag über das Gelände des Jagdgeschwaders 73 "Steinhoff". Er lässt sich im Nieselregen Flugzeuge und Waffen erklären, fragt Soldaten nach Ausbildungszeiten, nach Reparaturintervallen und Schwachstellen der Technik. Gezielt informiert sich de Maizière über Einsatz- und Einsparmöglichkeiten der Luftwaffe. Ein Höflichkeitsbesuch soll es nicht sein.

Das Jagdgeschwader in Mecklenburg war das erste, das mit Eurofightern ausgestattet wurde. Mittlerweile sind 30 der Kampfflugzeuge in Laage stationiert, 36 sollen es werden. Insgesamt hat die Bundeswehr 60 Eurofighter im Bestand, aufgeteilt auf drei Jagdgeschwader. Auf 140 wird die Zahl noch anwachsen, das wären noch 40 weniger als ursprünglich bis 2015 geplant.

Die Eurofighter seien neben allen Hubschraubern, Drohnen und Transportmaschinen das Sahnehäubchen der Luftwaffe, sagt Brigadegeneral Martin Schelleis, im Führungsstab zuständig für Konzeption und Einsatz der Luftwaffe. Auch ein teures: Die Bundeswehr habe offenbar mehr Bestellungen ausgelöst, als sie brauche, sagt de Maizière in Laage, ohne konkret Bezug auf die Eurofighter zu nehmen.

Unkonkret bleibt der Minister auch bei der Personalplanung in der Luftwaffe. Klartext spricht dagegen Brigadegeneral Schelleis. Die Luftwaffe müsse an ihrer Durchhaltefähigkeit Abstriche machen, "das hat Einsparpotenzial". Anders gesagt, heute brauche niemand mehr einen Auslandseinsatz an einem Krisenherd mehrere Jahre allein zu bewältigen, dafür gebe es einen internationalen Verbund mit Mandat.

"Ich schätze, dass wir bis zu ein Drittel weniger Soldaten haben werden", sagt Schelleis. Das wäre eine überproportionale Kürzung im Vergleich zu anderen Teilstreitkräften. An der Technik hingegen will Schelleis nicht rütteln. "Wir können den Auftrag der Bundeswehr auch mit einer kleineren Luftwaffe erfüllen, wenn Sie unseren Empfehlungen folgen", sagt der Brigadegeneral zu de Maizière. Den Wink habe er schon verstanden, meint der Minister.

De Maizière denkt offenbar auch über einen höheren Anteil unbemannter Flugtechnik nach. Schelleis warnt hingegen vor überzogenen Erwartungen. Auf eine Drohne, die einen Tag lang ununterbrochen und bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell über einem Überwachungsgebiet kreisen kann, komme am Boden ein Personal von rund 16 Mann. Technisch und finanziell sei ein vollautomatischer Lufteinsatz noch auf lange Sicht nicht zu stemmen, sagt Schelleis.

In den kommenden Wochen will de Maizière die genauen Personalkonzepte für die Bundeswehr mit den Führungsstäben beraten, im Herbst folgt dann die Standortplanung. Bislang habe jede Teilstreitkraft "selbstbewusst für sich" mit Zahlen gearbeitet. Wenn er seine Vorstellungen präsentieren werde, "wird es ein bisschen Gerangel geben", sagt de Maizière in Laage.

Beim Team des Jagdgeschwaders 73 ist wenig von der Sorge um den Arbeitsplatz zu spüren. "Wir sind hier so hochqualifiziert ausgebildet", sagt Jens Kornath, Erster Wartungsmechaniker für die Eurofighter-Flotte. "Und wenn, finde ich überall einen Arbeitsplatz." Der 29-Jährige ist Zeitsoldat und will sich in ein paar Jahren zum Flugzeugmechaniker umschulen lassen. "Das hier war die beste Entscheidung. So viel milliardenschwere Technik anvertraut zu bekommen, wo hat man das schon." Das Reformbegleitprogramm für arbeitslose Soldaten werde er nicht in Anspruch nehmen müssen, ist sich Kornath sicher.

dapd