Einzelgewerkschaften befürchten die Erosion der Tariffreiheit Scharfe Attacke gegen den DGB und ver.di

Berufsverbände und Fachgewerkschaften fürchten um die im Grundgesetz verankerte Tarifautonomie und das Streikrecht einzelner Berufsgruppen.

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Scharfe Attacke gegen den DGB und ver.di

Berlin (dapd). Berufsverbände und Fachgewerkschaften fürchten um die im Grundgesetz verankerte Tarifautonomie und das Streikrecht einzelner Berufsgruppen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit ver.di an der Spitze trommelten seit Monaten für einen Zwang zu einheitlichen Tarifverträgen, erklärten die Vorsitzenden von Marburger Bund, Vereinigung Cockpit, Deutschem Journalisten-Verband (DJV) und Lokführergewerkschaft GDL am Montag in Berlin. Eine entsprechende Gesetzesinitiative sehe vor, dass nur noch die Tarifverträge der Gewerkschaft gelten sollen, die in einem Betrieb die meisten Mitglieder hat.

Die Beweggründe des DGB liegen nach Ansicht der Einzelgewerkschaften auf der Hand: Durch einheitliche Tarifverträge solle der dramatische Mitgliederschwund und die für den DGB lästige Gewerkschaftskonkurrenz aus dem Feld geschlagen werden. ver.di als ehemals größte DGB-Gewerkschaft habe in den vergangenen neun Jahren mehr als 800.000 Mitglieder verloren. Der Ruf nach einem "Zwangsgesetz zur Herstellung der Betriebseinheit im Betrieb" sei somit vor allem aus der Angst geboren, den Abwärtstrend mit eigenen Mitteln nicht mehr stoppen zu können.

DJV-Vize Michael Anger warnte vor einer Spaltung der Belegschaft. Die Idee des DGB löse einen "Kampf gegen einen Teil der Beschäftigten" aus. Zumal die Forderung nicht der Vorstellung der Gewerkschaftsbasis entspreche. Die Mitglieder seien sich einig, dass unterschiedliche Tätigkeiten in einem Betrieb nicht gleich entlohnt werden könnten. Sollten Arbeitgeberverbände und Gewerkschaftsbund jedoch mit ihrer Initiative durchkommen, sei ein Gang vor das Bundesverfassungsgericht nicht auszuschließen.

dapd