Deutschland erlebt gerade einen Boom. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 3,5 Prozent. Es ergebe sich ein "überschäumend positives Bild", sagt IW-Chef Michael Hüther.
"Überschäumend positives Bild" der deutschen Wirtschaft
Für 2012 seien 2,25 Prozent Wachstum zu erwarten. Die Wirtschaft sei derzeit zu 86 Prozent ausgelastet und arbeite damit an den Kapazitätsgrenzen der Jahre 2006 bis 2008. Dies werde zu verstärkten Investitionen führen. Sie würden im kommenden Jahr um elf Prozent steigen, 2012 um sechs Prozent.
Im vergangenen Herbst hatte das IW für 2011 nur 2,25 bis 2,5 Prozent Wachstum vorhergesagt. Doch das erste Quartal 2011 sei derart stark gewesen, dass er die Schätzung auf 3,5 Prozent nach oben korrigiert habe, sagte Hüther. Auch der mittelfristige Pfad der deutschen Wirtschaft scheine deutlich positiver zu verlaufen.
Die Zahl der Erwerbstätigen werde 2011 um 1,5 Prozent steigen und 2012 um knapp ein Prozent, ergänzte Hüther. Im Jahresdurchschnitt 2012 rechnet das IW nur noch mit sechs Prozent Arbeitslosigkeit oder 2,6 Millionen Personen. Nach der Einschätzung von Volkswirten wird die Zahl der Arbeitslosen im Mai unter drei Millionen fallen und im Jahresverlauf auch nicht mehr über diese Marke steigen.
61 Prozent der vom IW befragten Unternehmen rechneten 2011 mit einer höheren Produktion, nur neun Prozent mit einem Rückgang. Der Saldo aus beiden Zahlen zeige damit einen "neuen Rekordwert". Vor allem die Branche der Investitionsgüter strotze vor Zuversicht. 82 Prozent der Unternehmen erwarteten eine stärkere Produktion, nur gut zwei Prozent einen Rückgang.
Als Folge rechne das IW mit einem Rückgang der Finanzierungslücke de Staates auf 37 Milliarden Euro oder 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, sagte Hüther. 2012 werde das Staatsdefizit sogar auf 0,5 Prozent oder 15 Milliarden Euro schrumpfen. Trotzdem seien keine Spielräume für große Steuersenkungen vorhanden. Allerdings sollte die Regierung 2012 beginnen, die "kalte Progression" abzumildern, das heißt das langsame Hereinwachsen der Beschäftigten in höhere Steuersätze bei höherem Einkommen.
Die deutschen Exporte sollen laut IW 2011 um 11 Prozent zulegen, 2012 noch um 5,5 Prozent. Der Welthandel soll 2011 um 8 Prozent steigen, 2012 um 7 Prozent.
dapd
