Gezielte Maßnahmen der Banken für das Handwerk sind möglich.
Lothar Semper
Phantom Kreditklemme
Beim Spitzengespräch zur Unternehmensfinanzierung fiel die Diagnose anscheinend nicht leicht. Viele Unternehmen bewegen sich nach wie vor in einem schwierigen Finanzierungsumfeld, auch wenn bislang keine flächendeckende Kreditklemme zu beobachten ist - so lautet die wenig und viel sagende Diagnose. Für Volkswirte und Banker liegt eine Kreditklemme dann vor, wenn das Kreditangebot der Banken niedriger ist, als aufgrund der Zinsen und der Wirtschaftlichkeit der Investitionsvorhaben zu erwarten wäre.
Betriebliche Ursachen
Die wenigsten Handwerksbetriebe, die derzeit Finanzierungsprobleme haben, werden diese auf das genannte gesamtwirtschaftliche Phänomen abwälzen können. Vielmehr spielen in der Regel handfeste Fakten - wie das Geschäftsmodell oder auch die Planung der Betriebsnachfolge die entscheidende Rolle. Man muss ferner auch unterscheiden zwischen langfristiger Investitionsfinanzierung und kurzfristiger Betriebsmittelfinanzierung. Aktuell scheinen die Probleme eher im letztgenannten Bereich zu liegen; besonders dann, wenn dazu die in der Regel sehr teuren Kontokorrente herangenommen werden. Die Teilnehmer des Spitzengesprächs zur Unternehmensfinanzierung sehen vor allem in der Stärkung des Eigenkapitals der Unternehmen und in der Verbesserung der Kommunikation zwischen Kreditinstituten und Unternehmen wichtige Ansatzpunkte. Für den durchschnittlichen Handwerksbetrieb wird allerdings die Beteiligungsfinanzierung kaum zur Verbesserung der Eigenkapitalsituation geeignet sein. Hier böte die Steuerpolitik deutlich bessere Ansätze. Vom neuen Institut des Kreditmediators sollte man sich ebenfalls keine Wunder erwarten. Er setzt eigentlich auch nur dort an, wo die Berater der Handwerksorganisationen bereits jetzt aktiv sind, nämlich Hilfestellungen bei Bankgesprächen und bei der Aufstellung von Businessplänen.
Für das Handwerk wäre hilfreich, wenn Banken und Sparkassen etwa den handwerklichen Meisterbrief, mit dem fundierte berufliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse nachgewiesen werden, bei der Bonitätsanalyse als ratingverbessernd werten. Ebenso sollten sie bei Unternehmern, die sich regelmäßig erfolgreich von den Fachleuten der Handwerksorganisation beraten lassen, dies bei den Finanzierungskonditionen berücksichtigen. Werthaltiges Privatvermögen wie Immobilen könnte in Ergänzung zum Ratingergebnis ebenfalls zu einem verbilligten Zinssatz führen. Wenn dann noch die öffentlichen Förderangebote und Bürgschaften optimal eingesetzt werden, dann dürfte zumindest für das Handwerk die Kreditklemme ein Fremdwort bleiben.
