Linnert setzt weiterhin auf Koalition mit SPD Grüne Finanzsenatorin mit populärem Sparkurs

Glücklich und vom Erfolg ihrer Partei schier überwältigt - so präsentierte sich die Bremer Finanzsenatorin Karoline Linnert am Sonntagabend ihrer Grünen-Parteibasis. Die ersten Prognosen, die den Grünen rund 22 Prozent und ein besseres Abschneiden als die CDU bescheinigten, war da gerade eine Viertelstunde alt. "Das ist ein Traum", sagte die 52-Jährige. Sie sei nun schon 30 Jahre bei den Grünen.

Foto: dapd

Grüne Finanzsenatorin mit populärem Sparkurs

Bremen (dapd). Glücklich und vom Erfolg ihrer Partei schier überwältigt - so präsentierte sich die Bremer Finanzsenatorin Karoline Linnert am Sonntagabend ihrer Grünen-Parteibasis. Die ersten Prognosen, die den Grünen rund 22 Prozent und ein besseres Abschneiden als die CDU bescheinigten, war da gerade eine Viertelstunde alt. "Das ist ein Traum", sagte die 52-Jährige. Sie sei nun schon 30 Jahre bei den Grünen. Damals, in den Anfangszeiten, habe niemand von mehr als 20 Prozent oder von einem Ergebnis vor der CDU zu träumen gewagt.

Wie vor der Wahl versprochen, will die Grünen-Spitzenkandidatin nun auf jeden Fall die rot-grüne Koalition fortsetzen. Laut ZDF-Hochrechnung könnte Linnert sogar Regierungschefin in einem grün-schwarzen Bündnis werden. Mit den Zugewinnen der Grünen im Rücken will sie allerdings im neuen rot-grünen Koalitionsvertrag für eine "starke grüne Handschrift" sorgen.

Schon im Wahlkampf regierte Linnert fast beleidigt auf Fragen nach einem möglichen grün-schwarzen Bündnis. Es gehe nicht um Macht, sondern um Inhalte. "Weder inhaltlich noch personell sehen die Bremer Grünen da eine Option in absehbarer Zeit", sagte sie. "Die Grünen wollen die erfolgreiche Arbeit von Rot-Grün fortsetzen", wiederholte sie immer wieder.

Nun sollen die Grünen nach ihrem Wahlerfolg im neuen Senat mit der SPD zumindest "mehr Verantwortung übernehmen". Die Frage, ob die Grünen damit mehr Senatorenposten verlangten, ließ Linnert aber unbeantwortet. "Dass wir nicht über die Medien kommunizieren, ist eine Stärke unserer Koalition", sagte sie.

Als die rot-grüne Zusammenarbeit in Bremen nach Bürgerschaftswahl 2007 erneut begann, hatte Linnert schon fast 16 Jahre als Abgeordnete hinter sich, zumeist auf der Oppositionsbank. Damals war sie zum zweiten Mal Spitzenkandidatin, hatte schon einmal vergeblich versucht, die rot-schwarze Koalition abzulösen, die in Bremen immerhin drei Legislaturperioden hintereinander an der Macht war.

Streiten für die Schuldenbremse

Schon als Abgeordnete machte sich Linnert als akribische Haushaltswächterin einen Namen. Folgerichtig übernahm sie dann das Amt der Finanzsenatorin - eine Aufgabe, die im hochverschuldeten Bremen keineswegs vergnügungssteuerpflichtig ist. Viele Bremer Wähler haben ihrem Sparkurs, ihrer "nachhaltigen Finanzpolitik", wie sie selbst sagt, aber nun Respekt gezollt.

"Schulden sind unsozial", lautet das Credo der Finanzsenatorin. Die Schuldenbremse in der Verfassung zu verankern, war eines ihrer wichtigsten politischen Ziele. "Die Grünen stehen für einen sozial vertretbaren Sparkurs", sagt sie.

Als "Karo" Linnert stellte sich die rothaarige Politikerin während des Wahlkampfs auf Plakaten und im Internet den Bürgern vor. Natürlich sind ihr auch ein rascher Atomausstieg, die Förderung erneuerbarer Energien und die Einsparung von Energie wichtig. Politik müsse in allen Bereichen nachhaltig sein und die nachfolgende Generation im Blick haben, fordert sie.

Linnert hat auch ein Leben jenseits der Politik. Ihre Familie hat einen Kleingarten. Die Senatorin hat aber "viel zu selten Zeit für die Parzelle". Auch die weiteren Hobbys "Goldschmieden" und "ins Kino gehen" kommen seit langem zu kurz. Auch für ihren 16-jährigen Sohn, die 13 Jahre alte Tochter und ihren Mann bleibe zu wenig Zeit, "aber da bin ich vermutlich keine Ausnahme", sagt die Senatorin.

dapd