Atomkraftgegner kündigen erneut bundesweiten Protest an Tausende Luftballons simulieren radioaktive Wolke nach Super-GAU

Die Demonstrationen norddeutscher Kernkraftgegner für die Abschaltung aller Atommeiler gehen unvermittelt weiter. Mit einer Riesenwolke aus Luftballons warnten Kernkraftgegner am Samstag nahe dem niedersächsischen AKW Unterweser vor den Gefahren nach einem atomaren Super-GAU.

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Tausende Luftballons simulieren radioaktive Wolke nach Super-GAU

Nordenham/Hannover (dapd-nrd). Die Demonstrationen norddeutscher Kernkraftgegner für die Abschaltung aller Atommeiler gehen unvermittelt weiter. Mit einer Riesenwolke aus Luftballons warnten Kernkraftgegner am Samstag nahe dem niedersächsischen AKW Unterweser vor den Gefahren nach einem atomaren Super-GAU. Für kommenden Samstag (28. Mai) kündigten Initiativen eine weitere bundesweite Protestwelle unter dem Motto "Atomkraft: Schluss!" an. Dazu sollen in 21 Städten Großdemonstrationen und in drei weiteren Städten Kundgebungen stattfinden, wie die niedersächsischen Grünen am Samstag mitteilten.

Bei der Protestaktion am AKW Unterweser formten Kernkraftgegner am Samstag nach Angaben des Netzwerks Campact aus mehr als 10.000 schwarzen und gelben Ballons ein riesiges Radioaktivitätszeichen. Anschließend ließen sie die Ballons als symbolische "radioaktive Wolke" in den Himmel steigen.

Die Ballons sollten zeigen, wohin eine echte radioaktive Wolke wehen würde, wenn es im AKW zu einem schweren Unfall, einem Terroranschlag oder einer Naturkatastrophe käme, erklärten die Veranstalter. Derzeit sei der Reaktor bei Esenshamm zwar aufgrund des Moratoriums der Bundesregierung abgeschaltet. Eine Entscheidung über seine endgültige Stilllegung sei aber noch nicht getroffen.

Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz sagte: "Das AKW Unterweser ist insbesondere im Hinblick auf Hochwasser und Flugzeugabstürze völlig unzureichend gesichert. Der Atommeiler Unterweser ist ein tödlicher Nachbar. Ein Super-GAU kann sich hier jeden Tag ereignen." Bautz kritisierte Überlegungen in der schwarz-gelben Regierungskoalition, den Atomausstieg mit einer Revisionsklausel wieder umkehrbar zu machen. Die Aktion wurde von dem Kampagnennetzwerk Campact in Zusammenarbeit mit den lokalen Bürgerinitiativen "Aktion Z" und "AntiAtomOldenburg" organisiert.

Für das kommende Wochenende sind im Norden unter anderem Proteste in Güstrow, Kiel, Hamburg und Bremen geplant. Die beiden Landesvorsitzenden der niedersächsischen Grünen, Anja Piel und Jan Haude, riefen dazu auf, sich auch in Hannover, Göttingen und Wilhelmshaven an den Protesten zu beteiligen.

Piel sagte, der vorgelegte Abschlussbericht der Reaktorsicherheitskommission zur technischen Überprüfung der 17 deutschen Atomkraftwerke habe bewiesen, dass die Reaktoren nicht einmal einem Flugzeugabsturz standhalten würden. Es sei offen, ob die schwarz-gelbe Bundesregierung wirklich bereit sei, Konsequenzen zu ziehen und sich mit dem notwendigen Tempo vom Atomzeitalter zu verabschieden. Einen schnellen Ausstieg könne es nur mit öffentlichem Druck geben. Piel will die Proteste in Wilhelmshaven begleiten, Haude die in Hannover.

Unterdessen forderte die Initiative AK Asse beim Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen am Samstag, jetzt abgeschaltete Meiler nicht wieder ans Netz zu nehmen. "Niedersachsen ist mit der heutigen revisionsbedingten Abschaltung des AKW Lingen atomstromfrei", betonte die Initiative. Damit werde die Behauptung der Atomindustrie widerlegt, Atomstrom sei unverzichtbar.

dapd