Die Benzinpreise sind in Deutschland höher, als sie sein müssten Kartellamt sieht Oligopol der fünf größten Mineralölkonzerne

Die Benzinpreise sind nach Erkenntnissen des Bundeskartellamts in Deutschland höher, als sie sein müssten. Zu dieser Erkenntnis kommt nach Informationen von "Bild am Sonntag" ein umfassender Bericht der Wettbewerbshüter über die Entwicklung der Benzinpreise in den vergangenen drei Jahren.

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Kartellamt sieht Oligopol der fünf größten Mineralölkonzerne

Berlin (dapd). Die Benzinpreise sind nach Erkenntnissen des Bundeskartellamts in Deutschland höher, als sie sein müssten. Zu dieser Erkenntnis kommt nach Informationen von "Bild am Sonntag" ein umfassender Bericht der Wettbewerbshüter über die Entwicklung der Benzinpreise in den vergangenen drei Jahren. Kartellamts-Präsident Andreas Mundt wolle den "Abschlussbericht zur Sektoruntersuchung Kraftstoffe" am Donnerstag offiziell vorstellen.

Der Bericht befasse sich auch mit dem Phänomen, dass die Benzinpreise vor allem vor den Ferien, vor Ostern und an Wochenenden zum Teil nur für einige Tage oder gar Stunden erhöht werden. Die Wettbewerbshüter sehen ein Oligopol der fünf Mineralölkonzerne Aral/BP (23,5 Prozent Marktanteil), Shell (22 Prozent), Jet (10 Prozent), Esso und Total (jeweils 7,5 Prozent) am Werk, sprechen von "Marktstrukturen zum Nachteil des Verbrauchers". Die Untersuchung deckte ein synchrones Verhalten auf. Als "Initiatoren der Preissetzungsrunden" träten fast immer die beiden Marktführer in Erscheinung. Erhöhe Konzern 1 die Preise, zieht Konzern 2 innerhalb nur weniger Stunden bundesweit nach, oder umgekehrt. Und dann kletterten die Preise auch bei den übrigen drei Mitgliedern des Oligopols. Bei Preissenkungen laufe es genauso, nur langsamer.

Nach Erkenntnissen des Kartellamts unterhalten alle großen Mineralölkonzerne bundesweit ein weitverzweigtes Beobachtungs- und Meldesystem der Konkurrenz. Geheimabsprachen im Hinterzimmer würden so überflüssig.

Der ADAC fordert vom neuen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mehr Kontrollen. Hilfreich könnte auch ein Blick über die Grenzen sein: In Österreich dürfen die Preise an den Tankstellen höchstens einmal pro Tag verändert werden. Und in Australien müssen Preiserhöhungen einen Tag vorher angekündigt werden.

dapd