Nach der Korrektur der Zahlen zur Kinderarmut in Deutschland üben Politik und Wissenschaft deutliche Kritik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die frühere Familienministerin und jetzige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, die Bundesregierung habe ihre familienpolitischen Entscheidungen nie alleine auf Zahlen des DIW gestützt.
Kritik am DIW wegen Daten zu Kinderarmut
Berlin (dapd). Nach der Korrektur der Zahlen zur Kinderarmut in Deutschland üben Politik und Wissenschaft deutliche Kritik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die frühere Familienministerin und jetzige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, die Bundesregierung habe ihre familienpolitischen Entscheidungen nie alleine auf Zahlen des DIW gestützt: "Im Gegenteil, wir wissen seit langem, dass die jetzt korrigierten Zahlen fragwürdig hoch waren", sagte die Ministerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Kürzlich waren die 2009 von der OECD verkündeten Kinderarmutswerte in Deutschland, die sich auf Zahlen des DIW stützen, von mehr als 16 Prozent stark nach unten korrigiert worden, womit Deutschland unter den OECD-Ländern sehr viel besser dasteht als bis dahin angenommen.
Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte, er habe sich in seiner Zeit als Bundesarbeitsminister nicht nur auf die Zahlen des DIW gestützt, sondern "alle verfügbaren Datenquellen" genutzt, als er seinen Armuts- und Reichtumsbericht erstellt habe: "Dafür gab es damals viel Kritik - heute fühle ich mich bestätigt."
Der Koblenzer Statistik-Professor Gerd Bosbach äußerte Kritik am DIW, das die Zahlen für die Berechnung der Kinderarmut in Deutschland liefert. Bosbach sagte der Zeitung, zu ihrem Einkommen gäben die Menschen ungern Auskunft: "Die Befragungen des DIW sind freiwillig. Das Ergebnis ist somit nicht mehr als eine grobe Annäherung an das, was die Familien wirklich verdienen."
dapd
