CSU-Chef Horst Seehofer gab sich sehr zufrieden, als er am Samstag die Bilanz der Klausur seines Parteivorstands im oberbayerischen Kloster Andechs zog. "Mein Gemüt ist jetzt nach zwei anstrengenden Tagen so wie das Wetter - also sehr sonnig", versicherte der bayerische Ministerpräsident. Die CSU habe gezeigt, "dass wir eine sehr diskussionsfreudige Partei geworden sind".
Seehofers Gemüt nach Andechser Klausur "sehr sonnig"
Andechs (dapd). CSU-Chef Horst Seehofer gab sich sehr zufrieden, als er am Samstag die Bilanz der Klausur seines Parteivorstands im oberbayerischen Kloster Andechs zog. "Mein Gemüt ist jetzt nach zwei anstrengenden Tagen so wie das Wetter - also sehr sonnig", versicherte der bayerische Ministerpräsident. Die CSU habe gezeigt, "dass wir eine sehr diskussionsfreudige Partei geworden sind".
Das war allerdings eine sehr freundliche Beschreibung der rund siebenstündigen Debatte über die Energiewende vom Freitag. Denn dabei prasselte zeitweise nicht nur Gewitterregen auf den "Heiligen Berg" von Andechs, sondern auch Kritik auf die CSU-Spitze. Die Art der "Führung", die Seehofer in den vergangenen Wochen bei seinem Ziel eines raschen Atomausstiegs gezeigt hatte, kam bei einigen Vorstandsmitgliedern gar nicht gut an.
Offen brachte am Samstag der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, seinen Unmut zum Ausdruck. Er kritisierte in einem dapd-Interview: "Es gab eine ganze Reihe von Leuten, die alle, die eine differenzierte Auffassung vertreten haben, als Schlafmützen oder Zauderer bezeichnet haben." Müller, der zugleich Vorsitzender der Jungen Union in Bayern ist, fügte hinzu: "Ich würde mir wünschen, dass wir da in der Partei zu einem anderen Umgang finden bei der inhaltlichen Auseinandersetzung."
Nicht gerade glücklich wirkte auch der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber am Morgen nach der Verabschiedung des Energiekonzeptes. Er hatte sich bereits Anfang Mai den Zorn Seehofers mit der Warnung zugezogen, die Wähler wollten "keine grün lackierte CSU". Dies brachte Huber den Vorwurf seines Nachfolgers ein, aus persönlichen Motiven immer wieder die Arbeit der CSU zu belasten.
Doch dies hinderte den jetzigen Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im bayerischen Landtag nicht daran, auch am Samstag seine Skepsis gegenüber dem Seehofer-Kurs beim Atomausstieg zu zeigen. Huber betonte: "Viele haben gesagt, man muss sich ehrgeizige Ziele setzen. Ich bin da mehr für Realismus."
Der Chef der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, kritisierte den ursprünglichen Entwurf der Parteispitze für das Energiekonzept als zu unkonkret. Es habe zum Beispiel keine Kalkulation für die Strompreisentwicklung gegeben. Michelbach zeigte sich jedoch erleichtert, dass es nun wenigstens "eine Art Revisionsmechanismus" beim geplanten Atomausstieg bis spätestens 2022 gebe. Dies habe die CSU-Landesgruppe im Bundestag auch "zur Bedingung gemacht".
Seehofer äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass die CSU sich künftig geschlossener denn je präsentiert. Es sei "oft so im Leben, dass solche kontroversen Diskussionen eine Gemeinschaft eher zusammenführen als auseinanderdividieren". Dies sei auch jetzt sein Gefühl.
Immerhin gab es keine Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Freitagabend als Gast bei der Klausur eintraf, aber wegen der unerwartet langen Atomdebatte rund zwei Stunden auf das Gespräch mit dem CSU-Vorstand warten musste. Merkel berichtete, sie habe dadurch die Möglichkeit gehabt, "ein wenig das Kloster anzusehen" sowie "mit dem Abt und den Brüdern hier zu sprechen". Die CDU-Chefin fügte hinzu: "Das war für mich sehr beeindruckend."
dapd
