Nach einem scharfen Streit zwischen der Deutschen Bahn und Frankreichs Staatsbahn SNCF am Donnerstag eskaliert in der Branche ein weiterer deutsch-französischer Konflikt: Wegen einer Blockade Frankreichs droht Siemens ein sicher geglaubter Prestigeauftrag des Zugbetreibers Eurostar zu entgleiten, berichtet die "Financial Times Deutschland".
Bundesregierung fürchtet um Zugauftrag an Siemens
Berlin/Hamburg (dapd). Nach einem scharfen Streit zwischen der Deutschen Bahn und Frankreichs Staatsbahn SNCF am Donnerstag eskaliert in der Branche ein weiterer deutsch-französischer Konflikt: Wegen einer Blockade Frankreichs droht Siemens ein sicher geglaubter Prestigeauftrag des Zugbetreibers Eurostar zu entgleiten, berichtet die "Financial Times Deutschland".
Ändere Paris seine Haltung zu den Siemens-Zügen nicht, müsse der Vertrag des Konzerns mit Eurostar "nachverhandelt werden, im schlimmsten Fall ist Rücktritt möglich", heißt es demnach in einem als vertraulich gekennzeichneten Papier des Bundesverkehrsministeriums. Das Papier, das auf vergangenen Dienstag datiert ist, wurde von Siemens maßgeblich beeinflusst. Ein Ende des Verfahrens zur Zulassung von Siemens-Antriebstechnik im Ärmelkanaltunnel sei "nicht absehbar", heiße es darin.
In dem Papier werde angedeutet, dass Frankreich die Zulassung der Züge mit einem Gegengeschäft verknüpfen könnte. Demnach wirbt Paris für einen "Airbus auf Schienen": Alstom und Siemens sollen gemeinsam Schnellzüge bauen. Während Alstom in diesem Segment kaum mehr Erfolg hat, laufen die Geschäfte für Siemens gut - weshalb der Münchner Konzern die Idee ablehne. Zugleich fürchteten die Deutschen eine "Ausdehnung" protektionistischer Tendenzen Frankreichs "in andere Industriebereiche", falls Paris im Kampf um den Eurostar-Auftrag gewinnt.
Eurostar hatte im Oktober einen Prestigeauftrag über zehn neue Schnellzüge an Siemens vergeben. Seitdem herrscht Streit zwischen Eurostar, Siemens auf der einen und dem französischen Zughersteller Alstom sowie der Regierung in Paris andererseits. Die Franzosen greifen den Auftrag an, weil die Siemens-Züge nicht den Sicherheitsregeln im Ärmelkanal-Tunnel entsprächen. Auch die Deutsche Bahn sei betroffen: Sie wolle ab 2013 mit den gleichen Siemens-Zügen wie Eurostar nach London fahren. Die Pläne seien jedoch hinfällig, wenn Frankreich den Fahrzeugen die Fahrt durch den Tunnel verweigere.
dapd
