Der neu gewählte baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bei seinem ersten Auftritt vor der deutschen Wirtschaftsprominenz für die "ökologische Ordnungspolitik" seiner Regierung geworben.
Kretschmann bietet Wirtschaft Zusammenarbeit an
Stuttgart (dapd). Der neu gewählte baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bei seinem ersten Auftritt vor der deutschen Wirtschaftsprominenz für die "ökologische Ordnungspolitik" seiner Regierung geworben. Zudem bot der Grünen-Politiker auf der Jubiläumsgala des Bosch-Konzerns am Donnerstagabend in Stuttgart den südwestdeutschen Unternehmen an, partnerschaftlich mit seiner Regierung zusammenzuarbeiten. Bundespräsident Christian Wulff sprach sich für eine Umgestaltung der Industriegesellschaften aus.
Der Bosch Konzern feiert in diesem Jahr 125 Jahre Firmengeschichte und zugleich den 150. Geburtstag des Firmengründers Robert Bosch. Zu der Feier waren rund 2.000 internationale Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien, darunter auch der frühere US-amerikanische Außenminister Henry Kissinger, in die Stuttgarter Messehalle gekommen.
Kretschmann betonte, die baden-württembergische grün-rote Landesregierung strebe einen Dialog, faire Zusammenarbeit und Partnerschaft mit der Wirtschaft an. "Wir setzen auf kluge Anreize und verlässliche Rahmenbedingen im Sinne einer 'ökologischen Ordnungspolitik’'", betonte der Grünen-Politiker.
Kretschmann bemühte sich nach seiner früheren Aussage, weniger Autos seien besser als mehr, die im "Automobilland" Baden-Württemberg heftige Reaktionen hervorgerufen hatte, die Wirtschaftskompetenz seiner Regierung herauszustellen. Grün-Rot wisse, dass Baden-Württemberg ein weltbedeutender Automobilstandort sei, an dem sehr viele Arbeitsplätze hingen, sagte er. Umso mehr müssten aber die Unternehmen alternative Antrieben und nachhaltige Mobilitätskonzepte übernehmen.
Kretschmann lobte mehrmals ausdrücklich die Firma Bosch. "Wer ein positives Bild von diesem Land zeichnen will - und dafür gibt es viele gute Gründe - der braucht nur die Firma Bosch und ihren Werdegang zu beschreiben", sagt er. Bosch stehe mit seinen ressourcen- und energiesparenden Produkten für "Fortschritt in die richtige Richtung".
Konzernchef Franz Fehrenbach hatte zuvor betont, für Bosch sowie die ganze Industrie gelte, dass Ökologie selbst ein Wachstumsmotor sei, denn Umweltschutz setze nicht weniger, sondern mehr Technik voraus.
Wulff sagte in seiner Festrede: "Es geht um eine neue industrielle Revolution: nicht mehr und nicht weniger." Dafür brauche es einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Es gelinge nur, gesellschaftlichen Wohlstand zu sichern, ohne gleichzeitig die eigenen Grundlagen zu zerstören, wenn die Industriegesellschaften umgestaltet würden und es "heute noch unbekannte, große Innovationen" gebe.
Dazu seien ein umfassendes Verständnis von Verantwortung, technologische und soziale Innovationen sowie kluge politische Rahmenbedingungen notwendig. Gefragt sei zudem ein gesellschaftlicher Aufbruch, "zu dem Akzeptanz für Technik und Innovation genauso gehört wie Einsicht in die Notwendigkeit des Wandels", betonte der Bundespräsident.
Er fügte hinzu: "Ich bin zuversichtlich, dass neue Formen der Kooperation zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft geben wird." Vielfach arbeiteten etwa Umweltschutzorganisationen und Unternehmen gemeinsam an Lösungen.
dapd
