Wulff trifft bei Antrittsbesuch in Niedersachsen alte Freunde und Weggefährten Bundespräsident auf Heimatvisite

Siebeneinhalb Jahre konnte Christian Wulff hier unbemerkt zur Arbeit vorfahren. Ganz anders am Mittwoch. An seiner alten Wirkungsstätte, der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover, wird er als Bundespräsident nun vom Fanfarenzug mit Musik von Michael Jackson sowie einem Großaufgebot an Polizei und Presse und winkenden Mitarbeitern empfangen.

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Bundespräsident auf Heimatvisite

Hannover (dapd-nrd). Siebeneinhalb Jahre konnte Christian Wulff hier unbemerkt zur Arbeit vorfahren. Ganz anders am Mittwoch. An seiner alten Wirkungsstätte, der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover, wird er als Bundespräsident nun vom Fanfarenzug mit Musik von Michael Jackson sowie einem Großaufgebot an Polizei und Presse und winkenden Mitarbeitern empfangen. Wulff ist zusammen mit seiner Frau Bettina zu seinem offiziellen Antrittsbesuch nach Niedersachsen gekommen, bei dem er vor allem die Stätten seines früheren politischen Wirkens besucht.

"Niedersachsen ist meine Heimat und bleibt meine Heimat", sagt er rasch zu Beginn des Besuches. Vieles sei hier sehr übersichtlich, "leichter als in Berlin", wo er und seine Familie sich aber inzwischen auch wohlfühlten. Wulff hatte den Besuch in Niedersachsen ganz bewusst gegen Ende seiner Reihe von Antrittsbesuchen in den Ländern gelegt. Als Bundespräsident vertrete er schließlich ganz Deutschland, weshalb Niedersachsen nun erstmal zurücktreten müsse, hatte er damals gesagt.

Am Mittwoch fühlt er sich schnell wieder zu Hause. "Die besten Fotos gibt es ja immer, wenn man auf so ein Autodach steigt", scherzt er gut gelaunt vor dem Landtag mit ihm lange bekannten Pressefotografen. Als die ihn dann dazu auffordern, übt er sich jedoch in präsidialer Zurückhaltung: "Schönes Wiedersehen mit Ihnen", sagt er knapp und macht sich auf den Weg in den Landtag, wo er mit den Fraktionsspitzen wie schon mit dem Kabinett in der Staatskanzlei über "Gott und die Welt" sprechen wird.

Viele der Menschen, die ihn von früher kennen, treffen ihn nun als Bundespräsident erstmals wieder. Ein bisschen komisch sei das schon, gibt Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) zu. Doch verändert habe er sich gar nicht, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr. "Natürlich tritt man als Bundespräsident anders auf. Aber die Person, der Mensch Christian Wulff ist derselbe geblieben."

In den Köpfen der Bürger scheint er hier auch noch der Ministerpräsident zu sein. Vor dem Landtag fragt Wulff die Schaulustigen, ob sie zufrieden sind mit der niedersächsischen Politik. "Wir sind zufrieden mit Ihnen", bekommt er als Antwort von einer älteren Frau. Als er dann noch nach seiner Meinung zum Landtagsneubau gefragt wird, muss auch Wulff lachen. "Dafür bin ich nun wirklich nicht mehr zuständig."

Zumindest als Gemälde soll Christian Wulff bald aber wieder in der Staatskanzlei zurückkehren. Damit sein Porträt in die dortige Galerie der ehemaligen Ministerpräsidenten aufgenommen werden kann, hat Niedersachsen einen kleinen Geldbetrag zur Verfügung gestellt, mit dem das Bundespräsidialamt einen Künstler seiner Wahl beauftragen soll.

Sein Nachfolger David McAllister (CDU) hat schon die Porträts der Sozialdemokraten Sigmar Gabriel, Gerhard Glogowski, Gerhard Schröder und anderen Amtsvorgängern umhängen lassen, um Platz für das Wulff-Bild zu schaffen. "Es ist in der Tat noch ein schöner Platz da, und da soll dann unser Christian Wulff aufgehängt werden", sagt McAllister am Mittwoch und löst damit ungewollt Heiterkeit bei Staatskanzlei-Mitarbeitern aus.

dapd