Vor der 7. Nationalen Maritimen Konferenz sorgt sich der Verband Deutscher Reeder (VDR) um die Zukunft des Schifffahrtsstandorts Deutschland.
Reeder fordern vom Bund Hilfe für Schiffe unter deutscher Flagge
Hamburg (dapd). Vor der 7. Nationalen Maritimen Konferenz sorgt sich der Verband Deutscher Reeder (VDR) um die Zukunft des Schifffahrtsstandorts Deutschland. "Wenn die Bundesregierung aus der Beteiligung an den Mehrkosten für Schiffe unter deutscher Flagge aussteigt, müssen wir reagieren - und das kann nur sein, dass wir in andere europäische Flaggen gehen, die uns bessere Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen", sagte das Geschäftsführende VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel am Dienstag in Hamburg. Entweder müsse die Bundesregierung Schiffe unter deutscher Flagge wettbewerbsfähig machen oder weiterhin ihren Teil der Lasten tragen. Die 7. Nationale Maritime Konferenz findet am 27. und 28. Mai in Wilhelmshaven statt.
Das maritime Bündnis war im Jahr 2000 von maritimer Wirtschaft und Politik initiiert worden, um die deutsche Schifffahrt wieder nach vorn zu bringen. Zu den Leistungen seitens der Bundesregierung für deutsche Schiffe unter deutscher Flagge zählen etwa, dass die Reedereien 40 Prozent der Lohnsteuer für die Seeleute an Bord für sich behalten dürfen. Ebenso wurden ein Zuschuss von acht Millionen Euro für die Ausbildung vereinbart sowie Beihilfen in Höhe von 50 Millionen Euro, die sich bisher im Wesentlichen in einer 50-prozentigen Beteiligung an den Lohnnebenkosten widerspiegelten.
Im Gegenzug verpflichtete sich die deutsche Schifffahrt, die Zahl deutscher Schiffe unter deutscher Flagge stetig zu steigern, sowie zum Ausbau der Ausbildungs- und Arbeitsplätze. "Wir sind wieder ein attraktiver Schifffahrtsstandort geworden", sagte VDR-Präsident Michael Behrendt. In den 80er und 90er Jahren seien die Seefahrtsschulen mangels Bedarf geschlossen worden. Seit der Jahrtausendwende gelang es Behrendt zufolge, "das Ruder wieder voll herumzureißen".
Der VDR befürchtet jedoch einen teilweisen Ausstieg des Bundes aus dem Bündnis. "Die Bundesregierung hat bereits im letzten Jahr angekündigt, die Beteiligung an den Lohnnebenkosten zu halbieren", sagte Behrendt. Die Reedereien fühlten sich im Stich gelassen und seien irritiert, weil sie derzeit nicht wüssten, wohin der Weg gehe. "Wir wollen das maritime Bündnis fortsetzen. Wir erwarten aber auch, dass die Bundesregierung zu ihren Verpflichtungen steht", sagte Behrendt.
Von den derzeit 3.720 deutschen Schiffen fahren 445 unter deutscher Flagge. Vor der weltweiten Wirtschaftskrise fuhren in der Spitze 513 Schiffe (2008) unter deutscher Flagge. Für einen mittelgroßen Tanker muss eine Reederei laut VDR 450.000 Euro an Mehrkosten pro Jahr einplanen, wenn sie ihn unter deutscher Flagge fahren lassen möchte. Zur Kostensenkung fordert der VDR insbesondere eine einfachere Verwaltung.
Behrendt bezweifelte, dass ein Verabschieden von Schiffen unter deutscher Flagge im Interesse der Ausbildungs- und Arbeitsplätze hierzulande sei. Das Abwandern der Reeder ins europäische Ausland hätte allerdings eine Flexibilität bei der Besetzung von Führungspositionen auf den Schiffen und eine höhere Bezuschussung für die Unternehmen zur Folge. Damit würde Deutschland als Schifffahrtsstandort auf das Niveau in der Zeit vor dem maritimen Bündnis zurückfallen.
dapd
