Die Bundespolizei hat sich herausgeputzt für den Antrittsbesuch ihres obersten Dienstherren. Als Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am Dienstag den Hof des Polizeipräsidiums in Potsdam betritt, haben sich die Beamten postiert - auf dem Motorrad, auf dem Pferd, im ersten Elektroauto der Behörde und mit der neuesten Ausrüstung am Körper.
Friedrich auf Antrittsbesuch bei der Bundespolizei
Potsdam (dapd). Die Bundespolizei hat sich herausgeputzt für den Antrittsbesuch ihres obersten Dienstherren. Als Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am Dienstag den Hof des Polizeipräsidiums in Potsdam betritt, haben sich die Beamten postiert - auf dem Motorrad, auf dem Pferd, im ersten Elektroauto der Behörde und mit der neuesten Ausrüstung am Körper.
Ein Polizistin mit schwerem Gewehr, Funkgerät und Schutzweste steht vor dem Gebäude, um dem Minister ihr Rüstzeug zu präsentieren. Normalerweise bewacht sie in der Montur die deutsche Botschaft in Kabul. Dort ist sie als Frau eine Ausnahmeerscheinung.
10.000 Euro koste die Ausrüstung pro Person, erklärt Karl-Heinz Meyer, der bei der Bundespolizei für die Technik zuständig ist. Mit der Sanitätsausstattung, die in einer Tasche an der Weste versteckt ist, ließen sich auch schwere Verletzungen behandeln. Das Gewehr sei eine Spezialwaffe für den Einsatz in Afghanistan. Und die Sonnenbrille sehe nicht nur "cool" aus, sondern biete auch Schutz vor Splittern.
"Setzen Sie die mal auf", ordnet Meyer an. Die junge Frau folgt der Anweisung, und Friedrich nickt: "Ja, sieht gut aus." Auch ein Krankenwagen steht auf dem Hof. Die Beamten - mit Sanitätsausrüstung auf dem Rücken und Pistole am Gürtel - sollen sich bald zum Einsatz in den Kosovo aufmachen.
Die Bundespolizei hat viele Aufgaben. Die Beamten kümmern sich nicht nur um den Grenzschutz, um die Sicherheit an Flughäfen und Bahnhöfen und auf See. Sie bewachen auch das Kanzleramt, einige Ministerien oder das Bundespräsidialamt. Sie helfen den Länderpolizeien bei Demonstrationen oder rücken bei Naturkatastrophen als Unterstützer an. Und die Polizisten kommen eben auch bei Auslandsmissionen zum Einsatz und schützen die deutschen Botschaft in aller Welt.
Meyer beendet seine Materialschau mit dem Minister. "Die Botschaft ist: Wir sind voll ausgestattet", sagt er und schiebt vorsichtig nach: "Wir hoffen nur, dass das auch so bleibt." Ein verschämtes "Wir wollen ja nicht klagen", schickt Meyer noch hinterher.
Friedrich lächelt kurz. "Was wir tun können, wird gemacht", sagt er knapp. Dann stellt er sich vor Mikros und setzt zum Loblied auf die Arbeit der Bundespolizisten an. Diese spielten für die Sicherheit in Deutschland und darüber hinaus eine große Rolle. Froh und stolz könne das Land sein, solch eine Truppe zu haben.
Ihn störe aber, dass der Respekt gegenüber den Bundespolizisten - etwa bei Demonstrationen - immer mehr verschwinde, klagt Friedrich. "Das muss sich wieder ändern." Die Menschen, die für die Sicherheit Deutschlands sorgten, hätten ein hohes Maß an Anerkennung verdient. "Wir werden auch nicht zulassen, dass die Sitten weiter verrohen", sagt Friedrich und stellt rechtliche Schritte in Aussicht.
Dann geht es weiter ins Lage- und Einsatzzentrum. In einem lang gezogenen Raum stehen sieben Schreibtische. Auf einem Fernseher und einer Leinwand flimmern stumm die Nachrichtenkanäle vor sich hin. An der Wand ist eine Digitaluhr, die verrät, wie spät es in Potsdam, Tripolis, Kabul und Bagdad ist. An den anderen Wänden hängen Karten von Deutschland und Europa.
In der Zentrale laufen aber nicht nur Meldungen aus dem Ausland ein - über Anschläge oder Piraterieangriffe, sondern auch Meldungen aus dem deutschen Alltag. Gerade hat sich ein Bürger aus Magdeburg gemeldet, der jeden Tag beobachtet, wie bei ihm um die Ecke Schülergruppen über die Gleise springen. Ein Mitarbeiter im Lage- und Einsatzzentrum gibt die Nachricht nun an die zuständigen Kollegen im Land weiter.
Friedrich lässt sich aufklären über die Arbeit, fragt nach, hört zu und nickt. Nach etwa einer Stunde bricht er wieder auf.
Die Gewerkschaft der Polizei hätte sich bei dem Besuch mehr von Friedrich erhofft - eine "klare Ansage" zu den Problemen bei der Bundespolizei. Die Beschäftigten dort litten seit Jahren an massiver Überlastung, beklagt Josef Scheuring, der sich bei der Gewerkschaft um die Bundespolizei kümmert. Der Zustand habe bereits zu einem deutlichen Anstieg von Erkrankungen geführt. Außerdem schränkten die immer weiteren Einsparungen die polizeiliche Arbeit ein. Darüber ist beim Antrittsbesuch des Ministers nichts zu hören.
dapd
