Verschandelung bayerischer Kulturlandschaften befürchtet Heimatpfleger warnen vor überstürztem Ausbau der Windenergie

Bayerns Heimatpfleger warnen vor einer Zerstörung des Landschaftsbildes in Bayern durch einen überstürzten Ausbau der Windkraft. "Ikonen" wie das Voralpenland, Mainfranken oder die Fränkische Schweiz sollten ganz von Windrädern freigehalten werden, sagte der Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Martin Wölzmüller, in einem dapd-Interview.

Foto: dapd

Heimatpfleger warnen vor überstürztem Ausbau der Windenergie

München (dapd-bay). Bayerns Heimatpfleger warnen vor einer Zerstörung des Landschaftsbildes in Bayern durch einen überstürzten Ausbau der Windkraft. "Ikonen" wie das Voralpenland, Mainfranken oder die Fränkische Schweiz sollten ganz von Windrädern freigehalten werden, sagte der Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Martin Wölzmüller, in einem dapd-Interview.

"Es darf bei uns nicht zu Verhältnissen wie in Nord- oder Ostdeutschland kommen, wo die Landschaften weitgehend planlos mit Windrädern zugestellt worden sind. Das wäre ein Horrorszenario."

"Wir sind keineswegs gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien", betonte Wölzmüller. Dieser Prozess müsse jedoch sorgfältig geplant werden. Außerdem sei eine breite Beteiligung der Bürger notwendig. "Es kann nicht sein, dass Investoren, die auf den Bahamas oder sonst wo sitzen, hier Windparks bauen, den Gewinn abschöpfen und die Bürger vor Ort das ausbaden müssen."

Wölzmüller regte an, das Landesentwicklungsprogramm (LEP) entsprechend anzupassen. Die regionalen Planungsverbände sollten explizit Vorrang- und Ausschlussgebiete etwa für Windräder festlegen können. "Wir können nur so einen Wildwuchs verhindern, den wir in zehn Jahren bitter bereuen würden."

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima hatte auch die CSU einen Schwenk in ihrer Energiepolitik vollzogen und will die Nutzung erneuerbaren Energien im Freistaat stark ausbauen. Nach dem Willen von Umweltminister Markus Söder (CSU) soll der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2020 von derzeit rund einem auf zehn Prozent wachsen.

Jüngst sprach sich Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) dafür aus, den bayerischen Staatsforst für Windkraftprojekte zu öffnen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Konrad Kobler forderte, dass auch Landschaftsschutzgebiete nicht tabu sein dürften. Der Landespolitiker schlug vor, sogar im Nationalpark Bayerischer Wald Windkraftwerke zu bauen. Dafür müssten auch "Abstriche an der bisherigen Lebensqualität" hingenommen werden.

Die Äußerungen Koblers nannte Wölzmüller "unbedacht". Ganz ohne Beeinträchtigungen des gewohnten Landschaftsbildes werde sich der Ausbau grüner Energien zwar nicht organisieren lassen. "Doch dieser Prozess muss so gestaltet werden, dass die Menschen damit leben können und Bayern sein Gesicht nicht verliert." Dies gelte nicht nur für Windkraftwerke, sondern auch Solarkraftwerke auf der grünen Wiese sowie Biogasanlagen, die wegen ihres großen Bedarfs an Biomasse zur einer zunehmenden "Vermaisung" der Landschaften geführt hätten.

Als geeignete Standorte für neue Windräder schlägt Wölzmüller "bereits vorgeschädigte Landschaften" vor. Möglich sei es auch, Windkraftwerke entlang von Verkehrstrassen wie Autobahnen oder Bahnstrecken zu errichten. Außerdem sollten Windräder nicht einzeln in die Landschaft gestellt, sondern in "Clustern" konzentriert werden. Für völlig vernachlässigt hält Wölzmüller die Themen Energieeffizienz und Energiesparen. Schätzungen zufolge könnten mindestens 30 Prozent des aktuellen Energieverbrauchs ohne Beeinträchtigungen der Lebensqualität eingespart werden. "Wenn wir diesen Weg konsequent gehen würden, bräuchten wir die nächsten Jahre überhaupt keine neuen Windräder."

Ein großes Potenzial für grünen Strom in Bayern sieht Wölzmüller in der Geothermie. "Erdwärme-Kraftwerke könnten an vielen Orten in Bayern gebaut werden und beeinträchtigen das Landschaftsbild nur minimal." Derzeit seien sie aber noch weniger rentabel als etwa Windkraftwerke. Deswegen müsse der Staat über eine zusätzliche Förderung der Geothermie im Rahmen von Anschubfinanzierungen nachdenken.

dapd