Zahlen von Straftaten steigen "besorgniserregend" - Forderung nach Speicherung von Nutzerdaten Friedrich warnt vor Bedrohung durch Internetkriminalität

Die Internetkriminalität nimmt nach Darstellung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich immer größere Ausmaße an. Der CSU-Politiker warnte am Montag auf der "Global Economic Crime Conference" in Frankfurt am Main vor einem Problem von historischer Dimension. Es müsse alles daran gesetzt werden, das Internet zu schützen.

Foto: dapd

Friedrich warnt vor Bedrohung durch Internetkriminalität

Frankfurt/Main (dapd). Die Internetkriminalität nimmt nach Darstellung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich immer größere Ausmaße an. Der CSU-Politiker warnte am Montag auf der "Global Economic Crime Conference" in Frankfurt am Main vor einem Problem von historischer Dimension. Es müsse alles daran gesetzt werden, das Internet zu schützen. Andernfalls bestehe die Sorge, dass es im schlimmsten Fall nicht mehr brauchbar sei. Zur Bekämpfung der Internetkriminalität hält Friedrich die Wiedereinführung der sogenannten Vorratsdatenspeicherung für unerlässlich.

Der Innenminister berichtete, dass die Zahlen von Straftaten und Schäden besorgniserregend anstiegen. So seien im vergangenen Jahr 60.000 Fälle von Internetkriminalität gemeldet worden, ein Anstieg von 19 Prozent. Hinzu komme eine große Dunkelziffer, sagte Friedrich. Die Täter zeichneten sich durch eine hohe Innovationsfähigkeit aus. Inzwischen seien auch "Alltagskriminelle" in der Lage, entsprechende Werkzeuge ohne große Computerkenntnisse zu nutzen und so erheblichen Schaden anzurichten.

Im Internet habe sich eine Untergrundszene entwickelt, in der es von Adressen bis hin zu Kreditkartennummern alle Daten zu kaufen gebe. Der Minister sprach von einem Diebstahl der digitalen Identität. "Es ist ein außerordentlich schwungvoller und lukrativer Handel", berichtete Friedrich. So seien im vergangenen Jahr 5.300 Fälle von sogenanntem Phishing gemeldet worden, in denen die Nutzerdaten fürs Onlinebanking ausspioniert wurden. Ein Plus von 82 Prozent. Pro Fall habe der Schaden etwa 4.000 Euro betragen, sagte der Minister.

Zudem berichtete er von neuen Formen digitaler Erpressung: Dabei würden Unternehmen zum Beispiel damit erpresst, dass ihr Internetserver lahmgelegt oder vertrauliche Informationen im Netz veröffentlicht würden. Die Geldforderung bewege sich meist im niedrigen Bereich, so zwischen 250 und 300 Euro - "um sicher zu gehen, dass die Unternehmen ohne großen Aufwand zahlen", sagte Friedrich. Er appellierte an die Firmen, in jedem Fall Anzeige zu erstatten. Viele Unternehmen hätten Sorge, nicht mehr als zuverlässige Geschäftspartner angesehen zu werden, wenn eine Lücke in ihrem Sicherheitssystem bekannt werde.

Ein effektives Vorgehen gegen Internetkriminalität sei nur gemeinsam möglich, betonte der CSU-Politiker. Die Bürger, die Wirtschaft, die Unternehmen und der Staat müssten zusammen eine "Abwehrmauer gegen Kriminalität bilden", forderte er. Gerade Software produzierende Unternehmen müssten mehr für die Sicherheit tun. "Wir brauchen von den Unternehmen ein Höchstmaß an Selbstverpflichtung, was Ordnung im Internet angeht", fügte der Minister hinzu. Zudem forderte er einen verbesserten Informationsaustausch.

Außerdem sprach sich Friedrich vehement für die Vorratsdatenspeicherung aus. "Sonst wird eine effektive Verbrechensbekämpfung im Internet nicht möglich sein", betonte er. Es sei für die Sicherheitsbehörden unmöglich, Verbrechen wie Betrug oder Kinderpornografie im Internet aufzuklären, wenn die Daten "nicht wenigstens einige Wochen und Monate" gespeichert würden. Seit das Bundesverfassungsgericht die Regelung gekippt habe, hätten die Provider 85 Prozent aller Anfragen von Sicherheitsbehörden zurückgewiesen, da die Informationen zu Internet-Adressen bereits gelöscht seien. "Das heißt, die Täter im Netz bleiben unentdeckt."

dapd